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Josef Hader © Magdalena Blaszczuk

Josef Hader

Der Kabarettist, Autor und Schauspieler Josef Hader, Jahrgang 1962, legt mit dem Kinofilm Wilde Maus sein Debüt als Regisseur vor. Ein Gespräch über den Reiz von Tragikomödien, den Wunsch, zurückzuschlagen und das Leben als Achterbahn.

Georg (Josef Hader), 50, Musikkritiker bei einer Wiener Tageszeitung, verliert aufgrund von Rationalisierungsmaßnahmen von einem Tag auf den anderen seinen Job. Seiner Frau, der Therapeutin Johanna (Pia Hierzegger), verheimlicht er dies jedoch. Statt ins Büro oder zu Konzerten zu gehen, verübt er nachts mittels Sachbeschädigung Rache an seinem früheren Chef. Untertags streicht er ziellos durch den Prater, wo er auf seinen ehemaligen Schulkollegen, den Hilfsarbeiter Erich (Georg Friedrich) trifft, mit dem er eine heruntergekommene Achterbahn wieder auf Vordermann bringen will. Nachdem Georgs Beziehung durch einen Revancheakt des Ex-Chefs immer tiefer in eine Krise schlittert, werden seine Rachepläne intensiver – die Handlung bewegt sich auf einen großen, auch emotionalen, Showdown zu. In seinem grundsoliden Regiedebüt widmet sich Josef Hader, der auch das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle spielt, beschädigten männlichen Egos ebenso, wie er die Mittelschicht satirisch aufs Korn nimmt. Was die Tonlage betrifft, ist Hader dabei dem von ihm favorisierten Genre der Tragikomödie treu geblieben. FAQ traf das Multitalent, das in den neunziger Jahren mit legendären Kabarettprogrammen wie „Privat“ für Furore sorgte und im Kino unter anderem als Schauspieler in Wolfgang Murnbergers Wolf-Haas-Verfilmungen (Silentium, Der Knochenmann) Erfolge feierte, im Café Rüdigerhof zum Gespräch.


Sie sind seit den späten achtziger Jahren erfolgreich, können also auf eine jahrzehntelange Karriere zurückblicken. Trotzdem haben Sie sich vor kurzem als Amateurschauspieler und Amateurregisseur bezeichnet. Ist das Koketterie, ein Schmäh oder haben Sie tatsächlich Selbstzweifel?

Wahrscheinlich alles auf einmal. Es ist so, dass ich Schauspielerei, geschweige denn Regie, nie gelernt habe. Der wahre Kern ist, dass man so einen leichten Minderwertigkeitskomplex nie ganz wegbekommt, gleichzeitig aber weiß, dass man dadurch wahrscheinlich andere Wege gefunden hat, die von Vorteil sind. Der Rest ist, glaube ich, Koketterie.

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