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Nora Berger und Kathrin Lugbauer

Konfliktpotenzial

Seinen Kleiderschrank wie ein Museum kuratieren? Warum das gerade heute wichtiger denn je ist, zeigt das österreichische Modelabel Natures Of Conflict.

Capsule Wardrobe. Ein Wort, das immer öfter durch Social-Media-Kanäle, Bücher und Zeitschriften geistert. Es scheint in Zeiten von Fast Fashion und kurzlebigen Trends ein neues, überraschendes „life goal“ zu sein. Aber was meint man eigentlich, wenn man von dieser „Kapsel-Garderobe“ spricht? Das Ziel ist es, seinen Schrank nur mit Kleidungstücken zu füllen, die miteinander kombiniert werden können. Das soll Platz im Kleiderschrank aber auch viel Zeit bei der täglichen Outfitwahl sparen, da man nicht lange überlegen muss, was zusammenpasst. Vor allem bei Minimalisten ist dieser Trend beliebt, denn damit wirklich alles kombiniert werden kann, muss der Umfang klein gehalten werden. Keine Kleiderberge, keine Schrankleichen, die nie getragen werden und keine Kurzzeittrends. Stattdessen wenige, ausgewählte Stücke in zeitloser Optik und hochwertiger Qualität.

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Ein Konzept, das genau darauf ausgelegt ist, zeigt das österreichische Modelabel Natures of Conflict mit seiner Linie „The Seasonal“. Im Jahr 2008 beschlossen Kathrin Lugbauer und Nora Berger zusammen „moderne, tragbare Kleidung für starke Frauen mit unabhängigem Geist“ zu machen, wie die beiden die Ästhetik ihrer Marke beschreiben. Die Funktionalität von Arbeitskleidung und Uniformen trifft auf subtile Details. Die Kollektion „The Seasonal“ startete 2014 und wird seitdem stetig erweitert. Allerdings nicht mit dutzenden von neuen Entwürfen, wie es heutzutage bei Fast-Fashion-Anbietern üblich ist, sondern mit wenigen, ausgewählten Kleidungsstücken von zeitloser Modernität. Denn das Kollektionskonzept will genau diesem Überkonsum entgegenwirken. Die Käuferin soll damit eine einfache Garderobe entwickeln, die auf Qualität statt auf Quantität setzt. Kleidung soll wieder als etwas Nützliches, anstatt als Wegwerfprodukt gesehen zu werden. Jeder Entwurf wird in Österreich designt, innerhalb Europas gefertigt und ist damit nicht tausende von Kilometern gereist, bevor er in unserem Kleiderschrank hängt.

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Natures of Conflict ist zwar als Damenbekleidung deklariert, kann aber durch den Einsatz von maskulinen Bekleidungselementen und simpler Ästhetik durchaus von beiden Geschlechtern getragen werden. Eigentlich wie geschaffen dafür, sich ein Kleidungsstück innerhalb der Familie zu teilen. Wieder näher zusammenrücken – dieses Thema spürt man auch bei der Zusammenarbeit mit der Manufaktur Haslach. Der sozialökonomische Betrieb hat sich ganz der Verarbeitung des natürlich nachwachsenden Rohstoffs Wolle verschrieben und schert dafür nur Mühlviertler Merino-Schafe sowie andere mitteleuropäische Schafrassen. Verarbeitet wird zusammen mit Menschen die durch Vermittlungshemmnisse einen geförderten Arbeitsplatz, soziale Unterstützung und die Möglichkeit zur Weiterbildung dringend brauchen. Gerade heute, wo ein Umdenken und sparsamer Umgang mit Ressourcen wichtiger denn je ist, wirkt das Konzept von N.O.C. so zeitgemäß wie kein anderes. Man kann eben auch aus (ökologischen und ökonomischen) Konflikten Lösungen für die Zukunft schaffen.

Natures of Conflict, The Seasonal N° 6
Fotos: Lisa Edi

www.naturesofconflict.com

Tags:

  • Fotos: Yasmina Haddad
  • Issue: 48
  • Keywords: Fashion