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Konfrontationen

Text: Oliver Stangl Fotos: Press

Im Jahr 2013 noch mit einem Preis als beste Nachwuchskünstlerin ausgezeichnet, ist die 1978 geborene, in Paris und New York lebende Französin Camille Henrot mittlerweile fest in der Kunstwelt etabliert. 2014 nahm sie an Ausstellungen in New York, Berlin und London teil; 2015 waren ihre Arbeiten in Kopenhagen und Münster zu sehen; 2016 widmete ihr die Fondazio Memmo in Rom eine Solo-Schau. Auch an den Biennalen in Berlin und Sydney nahm sie teil. Und im Herbst 2017 wird der Künstlerin im Palais de Tokyo in Paris Carte Blanche eingeräumt. Doch zuvor – von 22. März bis 28. Mai – zeigt die Kunsthalle Wien, die sich seit einigen Jahren besonders dem Werk weiblicher Kunstschaffender widmet, mit der Ausstellung „If Wishes Were Horses“ die erste große österreichische Ausstellung zum Schaffen Henrots.

Als Künstlerin, die keine Scheu vor trivialen Dingen habe, weil sie diese richtig zu lesen wisse, bezeichnete die Wochenzeitung „Die Zeit“ Henrot im Vorjahr. Dem ist man zuzustimmen geneigt – wenn man zu diesen Trivialitäten (die aber keineswegs banal sind) Dinge wie Jiu-Jitsu, BDSM oder Frisuren zählt. Es sind Aspekte des Körperlichen und des Begehrens, die im Schaffen Henrots einen wichtigen Platz einnehmen: Menschliches, Allzumenschliches. Auch Objekte, Pflanzen oder Haustiere, die sich in ihren Arbeiten tummeln, können als Umweg zur Betrachtung der conditio humana interpretiert werden. Menschliche Regungen und das Animalische: Schon im poetischen Titel der Ausstellung treffen sie aufeinander.

Zu den Stärken Henrots gehört die Leichtigkeit, mit der sie ihre Themen in Szene setzt; in geradezu spielerischer Weise setzt sich die Künstlerin mit Autorität und Kontrolle auseinander, fokusiert mit intuitiv zugänglichen Arbeiten auf Antonyme wie männlich/weiblich, Herrschaft/Unterwerfung, hart/weich oder innen/außen. Die in Kunst und Literatur seit Jahrhunderten verhandelte Frage, was den Menschen ausmacht, stellt die Französin mit den Mitteln der Immersion, wozu eine speziell auf die Location am Karlsplatz abgestimmte Installation einen entscheidenen Teil beitragen wird. Auch Arbeiten in anderen Medien – darunter ein Film und diverse Skulpturen – werden in der Kunsthallen-Schau zu sehen sein. Über das Innere des Menschen hinaus zielt Henrot auf Abhängigkeiten und Interdependenzen. Kein Mensch ist eine Insel. Eine Ausstellung, die dazu verlockt, sich mit dem Mensch-Sein auseinanderzusetzen.

Camille Henrot: If Wishes Were Horses
22. März bis 28. Mai 2017, Kunsthalle Wien Karlsplatz
www.kunsthallewien.at

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