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Dario Argento © Robert Newald

Kunst im Kasten

Text: Gabrielle Schultz Fotos: Robert Newald

Erstmals sind Fotografien des Wiener Fotografen Robert Newald aus über 30 Jahren in einer großen Einzelausstellung in der von cyberlab gegründeten Galerie West 46 zu sehen sind. Wer Robert Newald noch niemals in einer Arbeitssituation erlebt hat, wird sich nur schwer vorstellen können, dass dieser doch eher stattliche Fotograf in gewissem Sinne traumwandlerisch arbeitet. Der US-amerikanische Kameramann Haskell Wexler, der unter anderem The Thomas Crown Affair mit Steve McQueen fotografiert hat, sagte nach einem langen Interview: „Ich habe Sie nicht gespürt. Haben Sie mich fotografiert?“ Während des Gesprächs in der intimen Atmosphäre eines Hotelzimmers hatte Newald mehr als 50 Aufnahmen mit seiner Leica M von Wexler gemacht. Die Reaktion der Filmschaffenden sagt alles über Newalds Arbeitsweise aus: Er mischt sich nicht ein, er entzieht sich jeglicher Aufmerksamkeit. Er macht sich scheinbar unsichtbar, um aus der respektvollen Distanz einen unverstellten Blick ins Geschehen oder auf die Menschen zu werfen. Seine Arbeiten werden von Tageszeitungen, Wochenzeitungen, Magazinen („Der Standard“, „Wiener Zeitung“, „Die Zeit“, etc.) und in Büchern veröffentlicht. „Jedes meiner Bilder hat einen klaren Standpunkt“, sagt Newald, „ich übernehme im Moment der Aufnahme Verantwortung und setze klare Grenzen. Das kann im Extremfall auch bedeuten, dass ich ein Foto nicht mache.“

Der Titel seiner Einzelausstellung „Im Kasten“, die rund 50 Exponate vereint, ist durchaus programmatisch zu verstehen. In der Galerie West 46, die von cyberlab zwecks Unterstützung österreichischer Fotografen initiiert wurde, sind erstmalig großformatige Archivbilder von Regisseuren, Schauspielern und Künstlern im Kontext zeitgeschichtlicher Aufnahmen zu sehen. Ein visuelles Mosaik aus drei Jahrzehnten. Eine Momentaufnahme der Sängerin und Schauspielerin Jane Birkin, für die Robert Newald 2006 mit dem APA-Preis Objektiv ausgezeichnet wurde, Porträts der Regisseure Abel Ferrara und Dario Argento oder der Schauspielerin Tilda Swinton finden sich Seite an Seite mit dem Bild einer türkischen Frau, die Fußball spielt, oder der beklemmenden Aufnahme der Beine afrikanischer Flüchtlinge, die auf lazarettähnlichen Liegen in einem Notlager der Konzilsgedächtniskirche ruhen. Fotografien, die das Zeitgeschehen von 1969 bis heute dokumentieren, führen von Orten im ehemaligen Jugoslawien (1974) durch Moskau (1977) bis hinein in die ehemalige DDR (1983). Nach der Grenzöffnung 1989 wendet sich Newald erneut der Welt jenseits des ehemals Eisernen Vorhangs zu, um Facetten des aufblühenden populärkulturellen Lebens einzufangen: Er fotografiert Konzerte der Rolling Stones, von Iggy Pop oder Johnny Cash, er porträtiert Michael Ende, Alice Schwarzer, Diego Maradona oder Ernst Happel.

Eigens für die Einzelausstellung wird er acht Künstler fotografieren und gemeinsam mit ihnen die Präsentation der selbstinszenierten Porträts in „Schaukästen“ gestalten. Unter anderem werden der Regisseur Peter Patzak und der Schauspieler und Kabarettist Gerald Votava mitwirken. „Die Idee dahinter ist, künstlerische Unikate zu schaffen“, erklärt Newald, „die Künstler werden sich nicht nur an Orten ihrer Wahl selbst inszenieren, sondern auch dem jeweiligen Schaukasten persönliche gestalterische Elemente hinzufügen.“

 
Im Kasten 
Fotografien von Robert Newald 
21. April bis 1. Mai 2015 
West 46 – Galerie der cyberlab GmbH 
Westbahnstraße 46, 1070 Wien

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