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Michael Anastassiades, Ball Vase, 2006 © Studio Michael Anastassiades

Lebenskunst & Künstlerleben

Text: Brigitte Auer Fotos:

Die Kunstgeschichte ist gespalten. Darüber, ob Christoph Schlingensief seine künstlerische Karriere nun mit sieben oder doch erst im Alter von acht Jahren begonnen hat. Sicher ist, dass er in den folgenden 36 Jahren fast ebensoviele Filme fertigstellte, über die er im Interviewfilm von Frieder Schlaich (2004) in seiner typisch schelmischen Monologisierungskunst und unentwirrbaren Mischung aus Ironie und ernsthafter Analyse Auskunft gibt. Im Mai bietet das 21er Haus noch einmal die Möglichkeit, diesen Film sowie am darauffolgenden Tag die Deutschland Trilogie des selbstbezeichneten letzten Vertreters des Neuen Deutschen Films zu sehen. Darin erfährt man mit Udo Kier, was in der letzten Stunde im Führerbunker wirklich abging (100 Jahre Adolf Hitler, 1989), dass die Wiedervereinigung eine Schlachtplatte war (Das Deutsche Kettensägenmassaker, 1990) und wie gequälte Asylanten die Medien glücklich machen (Terror 2000, 1992).

Für seine Dependence im Geymüllerschlössel hat das Museum für angewandte Kunst eine neue Veranstaltungsreihe konzipiert – den Mak Design Salon. International renommierte Designerinnen und Designer werden hierzu eingeladen, sich mit den Räumlichkeiten und deren Interieur aus dem Empire und Biedermeier auseinanderzusetzen und mit eigenen Werken in einen räumlich-zeitlichen Dialog treten zu lassen. Die erste dieser Interventionen stammt vom Londoner Designer Michael Anastassiades, dessen elegante, klare und einfache Formensprache inmitten der historisch-musealen Umgebung Fragen zu Zeit und Zeitlosigkeit evozieren.

Das aus Israel stammende und in Rotterdam beheimatete Künstlerduo Gil & Moti hat ihr Leben, Lieben und ihre gesellschaftspolitische Mission voll und ganz der Kunst verschrieben. Seit 1994 leben und arbeiten sie zusammen an Installationen, Videos, Gemälden, Texten und Performances, denen eine clowneske, scheinbar naive Herangehensweise eigen ist, die in großem Gegensatz zur häufigen Übertheoretisierung künstlerisch-politischer Positionen steht. Das Lentos ist die letzte von fünf europäischen Stationen der Ausstellung der ähnlich aussehenden und immer identisch gekleideten Künstler. Die gezeigten Werke spannen einen Bogen über zehn Jahre und setzen mit der Dokumentation ihrer Hochzeit 2001 ein. Diese wurde als öffentliches Fest in superheldenhaften Aufzügen samt öffentlicher Flitterwochen zelebriert. Auch ihre Versuche, Dialoge mit der arabischstämmigen Bevölkerung aufzubauen, tragen unbedarfte Züge. Sie steckten Zettel in die Schuhe Betender in einer dänischen Moschee, um sie zu Gesprächen über Glauben, Liebe und Hoffnung einzuladen, boten ihre Hilfe an, um das in Israel herrschende Machtverhältnis umzudrehen oder gehen (reale und fiktive) Brieffreundschaften ein.

Christoph Schlingensief: Deutschland Trilogie & Interviewfilm Christoph Schlingensief
11.05. bzw. 12.05.2012
21er Haus, Wien

Michael Anastassiades: Time & Again / MAK-Design Salon #01
12.05.2012 - 25.11.2012
MAK Expositur Geymüllerschlössel, Wien

Gil & Moti. Totally devoted to you
25.05. – 12.08.2012
Lentos, Linz

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  • Issue: 17
  • Keywords: Art