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Junius Meyvantv © Sigridur Unnur Ludviksdottir

Liebe und Lärm

Man kann über die Vorweihnachtszeit gut und viel schimpfen: über den Stress, die Dauerberieselung mit Weihnachtsliedern von Wham! bis Andreas Gabalier oder die eigene Unfähigkeit, schon im November über Geschenke nachzudenken. Aber ein Fixpunkt der Vorweihnachtszeit lässt das alles vergessen: Der musikalische Adventkalender beglückt Wien wieder mit 23 Konzerten in 23 Bezirken. Und er bietet wieder einmalige Künstler in einmaligen Kombinationen in oft nicht alltäglichen Locations. Traditionell gehört der 3. Ernst Molden, der endlich wieder mit Sybille Kefer als Duettpartnerin auf der Bühne der kleinen Halle der Arena stehen wird. Wer die beiden Stimmen schon einmal gehört hat, wird bestätigen, dass sie füreinander geschaffen wurden. Weitere Höhepunkte sind sicher der Auftritt von Mika Vember und Gottfried Gfrerer am 8. Dezember in der Frommen Helene und natürlich der Abschluss mit dem Stimmgewitter Augustin am 23. Dezember im Schutzhaus Rosenhügel. Unter wienerlied-und.at kann das gesamte Programm erkundet werden.

Das brut am Wiener Karlsplatz hat eine neue Intendanz und beweist das am 10. Dezember mit einem Doppelkonzert der Lärm- und Performancelegenden Fuckhead rund um Didi Bruckmayr und MS Mutt. Wie Fuckhead den Raum der Bar des brut bespielen werden, bleibt noch im Dunkeln, sicher ist aber, dass es ein einmaliges Erlebnis sein wird. Am gleichen Ort wird Knarf Rellöm die weihnachtliche Konzertpause am 16. Jänner 2016 mit seinem neuen Projekt A Tribe Called Knarf beenden. Der Mann ist noch immer für den besten CD-Titel des Jahrhunderts verantwortlich: Bitte vor REM einordnen. So praktisch und stilsicher wie dieser Titel sind auch seine Songs, die zwar immer der Hamburger Schule zugeordnet werden, die aber einfach großartige scharfe Betrachtungen des Lebens zwischen Lakonie und Melancholie sind. Vorgestellt wird sein neues Album Es ist die Wahrheit, obwohl es nie pasierte, aber Höhepunkte seines Werks wie die „Autobiographie einer Heizung“ sollten dem Publikum wohl nicht vorenthalten werden.

Die Go-Betweens sind Geschichte, aber Robert Forster verlässt wieder einmal Australien und tourt mit seinem ersten Album Songs to Play nach langjähriger Absenz wieder durch Europa und beehrt das Theater Akzent am 20. Dezember. Der Charne des steifen Gentlemans eilt ihm voraus, aber eine widerborstige und liebevolle Soloshow mit Songs aus den letzten Jahrzehnten wird uns in die Weihnachtspause schicken.

Mit dem Festival „Spot on Demnark“ begann 2010 eine Erfolgsgeschichte. Mittlerweile ist der Titel zu JA JA JA Festival mutiert und es werden Künstler aus ganz Skandinavien präsentiert. Am 29. Jänner 2016 ist es im Wiener WUK wieder soweit, The Scenes aus Finnland lassen jede britische Band momentan alt aussehen und verbinden einen hageren, sonnenbebrillten und charismatischen Sänger mit Songs, die einem auch noch auf dem Weg zum Klo im Gedächtnis bleiben. Sensationell ist sicher auch das Engagement des Isländers Júníus Meyvant, der als Singer-Songwriter begann, aber nun auch in großer Besetzung auf den Spuren eines Glen Hansard wandert und die Gabe hat, große Gefühle auch in all ihrer Pracht auszudrücken.

Keine Konzertvorschau wäre komplett ohne einen Hinweis auf große Helden: Massive Attack kommen am 20. Februar 2016 in den Gasometer, den sie schon einmal erstaunlich klar bespielten. Auch wenn sie immer an ihrem bahnbrechenden TripHop-Album Blue Lines gemessen werden, haben Massive Attack in allen möglichen Kombinationen bewiesen, dass sie Songs und Sounds in einer Weise kombinieren, die ihnen niemand nachmacht. Auch im mittleren Alter sind sie neugierig, wach, angriffslustig und anstrengend wie immer.

 

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