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Lieblingsmonster

1954 tauchte zum ersten Mal jene unheimliche Kreatur aus dem Meer auf, die Japan in Furcht und Schrecken versetzen sollte. In Godzilla (Originaltitel Gojira) kreierte das legendäre Toho Filmstudio jenes titelgebende Wesen, das mit diesem ersten Auftritt seinen globalen Siegeszug antrat. Zunächst war Godzilla jedoch eine furchtbare Heimsuchung Japans. Der Dinosaurier, der Millionen Jahre in den Tiefen des Pazifiks überdauert hatte, war in dem von Honda Ishiro inszenierten Film durch Atombombentests aufgeschreckt über Tokio hergefallen und hatte die Metropole verwüstet. Mit diesem phantastischen Szenarios manifestierte sich jedoch jenes Trauma, das sich seit den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki fest im kollektiven Gedächtnis Japans eingebrannt hatte. Die Zerstörungen, die das Monster verursachte, evozierten deutlich die Erinnerung an jene apokalyptischen Bilder aus der finalen Phase des Zweiten Weltkriegs, nicht zufällig endet Godzilla mit einer expliziten Warnung vor den Gefahren des atomaren Zeitalters. Zunächst noch Japans Nemesis, entwickelte sich Godzilla im Lauf der Jahre in insgesamt 28 Filmen jedoch nicht nur zu einem populärkulturellen Phänomen, das weit über die Grenzen Japans hinausreichte, sondern auch zum Sympathieträger, der die Erde mehr als einmal vor dem Untergang bewahrte. Das unverwüstliche Fabelwesen musste dabei gegen so bizarre und phantastische Widersacher wie die Riesen-motte Mothra oder den dreiköpfigen Drachen King Ghidora antreten. Dass Godzilla dabei von einem Schauspieler im Gummikostüm verkörpert wurde, der durch eine Miniaturkulisse, die ihre Künstlichkeit gar nicht verleugnen wollte, stampfte, machte den ganz eigenen Charme der Godzilla-Reihe aus. Deren Popularität hatte im Lauf der Zeit solche Ausmaße angenommen, dass selbst Roland Emmerich, der filmische „Master of Disaster“, nicht widerstehen konnte und mit einem Budget jenseits der 100 Millionen Dollar seine Version auf die Leinwand brachte – ein nicht ganz gelungener Kulturtransfer, der innerhalb der Fangemeinde auch nicht der eigentlichen Godzilla- Reihe zugerechnet wird.

Sechzig Jahre nach seinem ersten Auftauchen nimmt sich Hollywood jedoch erneut der Riesenechse an und lässt diese auf die Menschheit los. Mit der Regie von Godzilla wurde Gareth Edwards betraut, der mit dem Low-Budget-Film Monsters eine eigenwillige und höchst spannende Genre-Arbeit abgeliefert hat. Mit dem Ungeheuer in Großformat konfrontiert sind so renommierte Darsteller wie Bryan Cranston, der sich mit seiner grandiosen Performance in Breaking Bad in die erste Liga gespielt hat, Juliette Binoche, Sally Hawkins und David Strathairn.

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