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Philip Treacy, Foto: Kevin Davies

Mad Hatter

Text: Lena Style Fotos: Kevin Davies

Fotograf Kevin Davies hielt über zwanzig Jahre lang den Schaffensprozess des berühmten Hutmachers Philip Treacy fest.

Denkt man an England und Mode, denkt man mit ziemlicher Sicherheit auch an Hüte. Und denkt man an England und Hüte, kommt man ganz bestimmt nicht an Philip Treacy vorbei. Auch wenn man mit dem Namen des berühmten Hutmachers nicht vertraut ist, ist die Chance groß, dass man seine Modelle bereits gesehen hat. Und diese bleiben im Gedächtnis. Überdimensionale Schleifen sind ebenso darunter wie ein bauschiger Schwarm aus hunderten Schmetterlingen oder riesige Segelschiffe in einer Brandung aus Tüll. Ganze 36 seiner Hüte wurden zur Hochzeit von Prince William und Kate Middleton getragen, einige von ihnen so auffällig, das ihnen eigene Facebook-Seiten mit tausenden Likes gewidmet wurden. Den modischen Ritterschlag bekam Treacy von Stylistin und Modeikone Isabella Blow, die mit Vorliebe besonders gewagte Modelle wie den lebensgroßen, glitzernden Lobster ausführte. Sie brachte ihn mit ihrem zweiten Protegé, dem aufstrebenden Designer Alexander McQueen zusammen. Neben Kopfbedeckungen für dessen Haute-Couture-Kollektion für das Luxusmodehaus Givenchy entwarf er fortan Modelle für Karl Lagerfelds Chanel, Valentino, Ralph Lauren und Donna Karan. Auch Grace Jones, Victoria Beckham und Lady Gaga können vermutlich schon auf Stammkundenrabatt plädieren. Treacys Hüte sind so fantasievoll, das er sogar an der Ausstattung für die „Harry Potter“-Verfilmungen mitarbeiten durfte. Ganze fünfmal wurde er im Zuge der British Fashion Awards als British Acessory Designer of the Year ausgezeichnet.

Was Treacy entwirft, scheint der Schwerkraft zu trotzen, kein noch so spektakulärer Entwurf ist unmöglich. Bei seiner Arbeit über die Schulter schauen lassen wollte sich der Maestro bislang allerdings nicht. Das Buch „Philip Treacy by Kevin Davies“ gibt nun erstmalig Einblicke in den Schaffensprozess des Modisten und geizt nicht mit Behind-the-scenes-Porträts. Nur einem einzigen Fotografen gewährte Treacy in den letzten 20 Jahren Zugang zu seinem Leben, seinem Studio und seiner Arbeitsweise – seinem Freund Kevin Davies. Als stiller Beobachter hielt dieser besondere Augenblicke fest: Der Designer alleine, versunken in Gedanken, ganz auf sein aktuelles Kunstwerk fokussiert. Oder mit einer seiner vielen Musen. Oder mit Kundinnen bei der ersten Anprobe. Illustriert ist der im Phaidon Verlag erschienene Bildband mit über 200 Fotografien. Ein Abschnitt widmet sich zur Gänze besonders ikonischen Hutentwürfen. Versehen sind diese persönlichen Einblicke mit Kommentaren sowohl von Treacys als auch von Davies. Eine fantastische Expedition in die Welt eines wahren Handwerkskünstlers und kreativen Magiers.


Philip Treacy by Kevin Davies
erschienen bei PHAIDON
270 x 205 mm, 200 Seiten, € 49,95

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