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© Foto: A. Burger, Zürich © Estate of Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Cologne

Martin Kippenberger

Text: Oliver Stangl Fotos: Press

Zu Lebzeiten umstritten, erzielen die Werke des deutschen Künstlers Martin Kippenberger (1953–1997) mittlerweile Rekordpreise. Die Eröffnung der Kippenberger-Ausstellung im Bank Austria Kunstforum Wien bot eine gute Gelegenheit, sich gebündelt mit den Arbeiten des früh Verstorbenen auseinanderzusetzen. Kippenberger, der mit Fotografin Elfie Semotan verheiratet war und in den letzten Jahren seines unsteten Lebens in Wien so etwas wie eine Heimat fand, war ein Mann vieler Talente und sowohl als Maler und Bildhauer, als auch Performer, Installationskünstler und Fotograf tätig. Der Kunstbewegung der Neuen Wilden zugerechnet, umfasst das Werk des Weggefährten von Albert und Markus Oehlen Elemente aus Dada und Flux ebenso wie eine Prise Pop und Punk, zudem findet sich in vielen Arbeiten eine Auseinandersetzung mit dem Wort. Gerade Letzteres stellte Direktorin Ingrid Brugger für die Wiener Ausstellung in den Mittelpunkt.

Gemein ist den Arbeiten Kippenbergers auf jeden Fall eine enorme subversive Kraft, die immer wieder provozierte. Das 1984 entstandene „Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz entdecken“ etwa setzte sich mit der mangelnden Aufarbeitung der NS-Zeit in der BRD auseinander. Eine andere, bereits 1990 entstandene Arbeit sorgte im Jahr 2008 für großes Aufsehen: „Zuerst die Füße“, das einen gekreuzigten Frosch zeigt, war eigentlich als Selbstporträt konzipiert, das sich mit Kippenbergers Zustand nach einem Alkohol- und Drogenentzug beschäftigt, doch wurde es als Verhöhnung der Religion missverstanden – sogar Benedikt XVI schaltete sich in die Kontroverse ein.

Die Eröffnungsrede zur Ausstellung hielt ein Mann, der ebenfalls über viele Talente verfügt: Der Komponist, Autor, Performance-Künstler und Schauspieler Blixa Bargeld, Gründungsmitglied der Einstürzenden Neubauten, sprach mit viel Witz über seine persönlichen Begegnungen mit Kippenberger, wobei wie nebenbei die Atmosphäre in der deutschen Kunstszene der deutschen achtziger Jahre greifbar wurde.

„Jeder Künstler ist ein Mensch“, drehte Kippenberger die Aussage von Joseph Beuys („Jeder Mensch ist ein Künstler“) um. Die Ausstellung bietet Gelegenheit, sich mit Werk und Persönlichkeit eines großen Künstlers auseinanderzusetzen.


Martin Kippenberger
Bank Austria Kunstforum, 8. September – 27. November
Freyung 8, 1010 Wien
www.kunstforumwien.at

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