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Frederico Felini, "LaStrada" (Studiocanal)

Meisterklasse

Unter den Regisseuren, die das europäische Kino in den ersten Jahrzehnten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entscheidend prägten, steht Federico Fellini in einer Reihe mit Größen wie Michelangelo Antonioni, Luchino Visconti, Ingmar Bergman oder François Truffaut. Die von Arthaus veröffentlichte „Federico Fellini Edition“ bietet anhand von zehn ausgesuchten Filmen einen wunderbaren Querschnitt seines vielschichtigen Œuvres. Dazu gehören frühe Arbeiten aus den fünfziger Jahren wie Die Müßiggänger, La Strada – die Darstellung der Gelsomina, die Fellinis Frau Giulietta Masina spielt, zählt zu den Höhepunkten in der Zusammenarbeit der beiden –, Die Schwindler und Die Nächte der Cabiria, wiederum mit Masina in der Hauptrolle, standen noch in der Tradition des Neorealismus. La dolce vita ist hingegen der ikonografische Film über Sein und Schein im Rom der ausgehenden fünfziger Jahre, Achteinhalb ein stark autobiographisch gefärbtes Werk über die Schaffenskrise eines Filmregisseurs. Eigene Erfahrungen finden sich auch in Roma, dem Porträt jener Stadt, in der Fellini den größten Teil seines Lebens verbrachte. Satyricon, Casanova und Die Stadt der Frauen repräsentieren jene Arbeiten, die, visuell zeitweilig ausschweifend opulent, ein Eintauchen in die phantastischen, skurrilen Welten, Träume und Visionen des Federico Fellini bieten.

Federico_Fellini_Edition.jpgFederico Fellini Edition (Arthaus/Studiocanal) insgesamt 1245 Minuten

Mit To Live and Die in L.A. (in der neuen 4K-Restauration vom 35-mm-Originalnegativ als DVD und 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook erhältlich) hat William Friedkin einen in jedem Kader atemberaubenden Thriller in Szene gesetzt, der tradierte Genremuster bei der Zeichnung der Gesetzeshüter kontinuierlich dekonstruiert. Wenige Tage vor seiner Pensionierung fällt ein Agent des US-Secret-Service im Verlauf seiner Ermittlungen einem Mordanschlag zum Opfer. Sein langjähriger Partner Richard Chance (William Petersen) findet bald heraus, dass Rick Masters (herrlich sinister von Willem Dafoe gespielt), der im Herstellen von Falschgeld ein regelrechter Künstler ist, für den Tod seines Partners und Freundes verantwortlich ist. Chance setzt nun alles daran, Masters zu überführen, ganz gleich ob mit erlaubten oder illegalen Mitteln. Kameramann Robby Müller taucht den Schauplatz L.A., an dem überwiegend on location gedreht wurde, in gleißend hartes Licht und vermittelt dabei eine Unmittelbarkeit und Authentizität, die man in dieser Dichte nur selten im (Genre-)Kino findet.

Leben_und_Sterben_in_LA.jpgLeben und sterben in L.A. / To Live and Die in L.A. (Capelight Pictures) 116 Minuten


Ein ebenso ungewöhnlicher wie verstörender Thriller, der ebenfalls im Polizei-Milieu angesiedelt ist, gelang Kathryn Bigelow mit Blue Steel. Bei einem ihrer ersten Einsätze muss die junge Beamtin Megan Turner (Jamie Lee Curtis) zur Waffe greifen und in Notwehr einen Supermarkt-Räuber erschießen. Weil einer der anwesenden Kunden, der Börsenmakler Eugene Hunt (Ron Silver), jedoch unbemerkt die Waffe des Täters an sich genommen hat, glaubt niemand Megans Rechtfertigung. Als sie scheinbar zufällig später Hunt wieder trifft, beginnen die beiden eine Affäre. Doch der vermeintlich ehrbare Bürger Hunt erweist sich als mörderischer Psychopath, der mit der gestohlenen Waffe seine Lust am Töten entdeckt hat. Er beginnt, Megan in ein diabolisches Katz-und-Maus-Spiel zu verwickeln. Blue Steel, eine der frühen Regiearbeiten Bigelows aus dem Jahr 1990, verweist in seiner narrativen Dichte und Präzision, mit der ihr psychologischer Thriller menschliche Abgründe ausleuchtet, schon deutlich auf alle Qualitäten, die Kathryn Bigelows Filme auszeichnen.

Blue_Steel_DVD.jpgBlue Steel (Studiocanal) 98 Minuten

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