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Il deserto rosso

Open Air Kino

Sommerkinos zählen mittlerweile zu den Fixpunkten im heimischen Kulturkalender. Mit einer der malerischsten Plätze kann auch heuer wieder „Kino wie noch nie“ aufwarten, Spielstätte ist nämlich wie gewohnt der Augarten. Veranstaltet vom Filmarchiv Austria und der Viennale bietet das Programm wieder Filme von allererster Güte. Ein Schwerpunkt ist in diesem Jahr Josef Hader gewidmet, dessen große schauspielerische Bandbreite anhand von Filmen wie Indien, Vor der Morgenröte – Stefan Zweig in Amerika, Der Knochenmann, Der Überfall und Wilde Maus eindrucksvoll demonstriert wird. Es gibt aber auch Gelegenheit, große Klassiker der Kinogeschichte wieder einmal auf der Leinwand zu sehen, darunter Chaplins Modern Times, Robert Wienes Das Cabinet des Dr. Caligari, To Be or Not to Be von Ernst Lubitsch, Stroheims Foolish Wives, Michelangelo Antonionis Il deserto rosso oder Miracolo a Milano von Vittorio De Sica. Vertreten sind aber auch Arbeiten, die das gegenwärtige Kino geprägt haben, wie Quentin Tarantinos From Dusk Till Dawn oder The Dark Night von Christopher Nolan. Premieren unmittelbar vor dem Kinostart bilden einen weiteren Teil des Programms, vorab zu sehen sind etwa der rasante Thriller Baby Driver, die Dokumentation über Whitney Houston, Whitney: Can I Be Me oder Sally Potters tragikomischer Blick auf das linksliberale Milieu Londons, The Party. Jeder Film wird auch heuer wieder einen Tag nach der Vorstellung beim Open Air Augartenspitz nochmals im Metrokino gezeigt.

Kino wie noch nie
29. Juni – 3. September
www.kinowienochnie.at 


Auf seine Tour durch Wien geht heuer auch wieder das Volxkino und präsentiert sein Programm an unterschiedlichen Spielorten. Zu sehen ist ein feiner Querschnitt aus Klassikern, Arthouse und gegenwärtigen Produktionen. Darunter sind etwa Fatih Akins Soul Kitchen, Rebecca Millers intelligente Komödie Maggie’s Plan oder das intensive Coming-of-Age-Drama Jack, in dessen Verlauf der Protagonist gezwungenermaßen einen Reifeprozess erfahren muss. Wer noch immer nicht Toni Erdmann, Maren Ades Erfolgskomödie, in der Sandra Hüller und Peter Simonischek in den Hauptrollen brillieren, gesehen hat, kann dies nun im Rahmen der Volxkino-Tour nachholen. Auf dem Programm steht aber auch J. C. Chandors brillanter Thriller A Most Violent Year mit Jessica Chastain und Oscar Isaac, Horror aus Südkorea mit einer Zombie-Variation, Train to Busan oder David Wnendts bedrückendes psychologisches Drama Kriegerin über das Abrutschen einer jungen Frau in die Neonazi-Szene.

Volxkino
7. Juni – 17. September
www.volxkino.at
 

Das Dach der Hauptbücherei Wien wird zum 14. Mal zum attraktivsten und höchsten Open-Air-Kino der Stadt. Das Programm von „Kino am Dach“ beinhaltet etwa Silentium, einen Film aus der Brenner-Reihe nach den Büchern von Wolf Haas mit Josef Hader in der Rolle des schrulligen Detektivs Simon Brenner. Ein ebenso ungewöhnliches wie brillantes Biopic hat Pablo Larraín mit Jackie in Szene gesetzt. Anhand der traumatischen Woche nach dem Attentat auf John F. Kennedy entwirft Larraín ein vielschichtiges Psychogramm seiner Witwe Jacqueline, die von Natalie Portman nuanciert gespielt wird. Die herrlich bissige Komödie A Fish Called Wanda, bei der John Cleese nicht nur eine der Hauptrollen übernommen sondern auch am Drehbuch mitgearbeitet hat, rundet das Programm ab.

Kino am Dach
8. Juni – 3. September
www.kinoamdach.at

Von 30. Juni bis 3. September geht in diesem Jahr das Film Festival auf dem Rathausplatz über die Bühne – zum bereits 27. Mal. Dieses Event im Herzen der Bundeshauptstadt zählt zu den beliebtesten Sommerkinos Österreichs, was neben der zentralen Lage wohl auch am internationalen Programm liegt, das Wiens Ruf als Welthauptstadt der Musik entgegenkommt. Einerseits gibt es ein reichhaltiges Programm an Filmen mit Klassikbezug: Verdis Aida kann man ebenso auf der Leinwand sehen wie Tschaikowskis Schwanensee oder Die Fledermaus von Johann Strauss. Stars wie Anna Netrebko, Plácido Domingo, Elina Garanca, Juan Diego Florez, Anne-Sophie Mutter oder Lang Lang lassen die Herzen von Konzert- und Opernliebhabern höher schlagen, doch auch Pop-und Jazz-Aficionados kommen auf ihre Kosten: Konzertfilme mit Legenden wie Leonard Cohen, Bob Dylan, Miles Davis, Depeche Mode oder den Rolling Stones bringen den Rathausplatz zum Rocken und Grooven. Man darf sich auf insgesamt 66 Tage voller Musik freuen. Für die kleinen Gäste gibt es ein schönes Programm mit animierten Musikkurzfilmen. Natürlich gibt es, wie jedes Jahr am Rathausplatz, auch wieder ein großes gastronomisches Angebot.

Film Festival auf dem Rathausplatz
www.filmfestival-rathausplatz.at


Ein besonders romantischer Hotspot unter den Freiluftkinos der Bundeshauptstadt ist das Open-Air-Kino im Schloss Neugebäude (bis 3. September), wo royales Ambiente, Naturstimmung und Filmgenuss zusammentreffen. Wie gewohnt dominieren Blockbuster das Programm – diesmal etwa Comicverfilmungen wie Guardians of the Galaxy Vol. 2, Spider-Man: Homecoming, oder Logan – The Wolverine – doch gibt es mit Werken wie Kenneth Lonergans Manchester by the Sea auch anspruchsvolle Kost für Cineasten. Tische, Sofas und Fauteuils sorgen für besonderen Sitzkomfort, und wer Hunger hat, wird am Kino-Buffet sicher fündig. Wer sich mit einem Date einen Film ansehen will, kann sich getrost nach Simmering begeben. 

Kino im Schloss
www.kinoimschloss.at

Auf den bewährten Mix aus Arthouse, Horror und Musik setzt man heuer wieder im Arena Sommerkino (26. August bis 1. September): Der Dokumentarfilm Pulp: A Film About Life, Death and Supermarkets beispielsweise ist ein innovatives Porträt der legendären Band aus Sheffield. Aufnahmen der Pulp-Abschiedsshow aus dem Jahr 2012 treffen auf Interviews mit Fans und werden mit knackigen Sprüchen von Frontman Jarvis Cocker garniert. Mit Andrei Tarkovskis Strugatzki-Adaption Stalker aus dem Jahr 1979 ist ein Meisterwerk des Sowjet- kinos zu sehen, das sich in hypnotischen Bildern, die Naturidyll und Industrieruinen kombinieren, dem Unterbewusstsein der Protagonisten widmet. Eine filmische Meditation, die zu den Pflichtterminen dieses Sommers zählt. Das Horrorgenre bedient die Arena 2017 beispielsweise mit Opera, einem Musik und Mord vereinenden Film der italienischen Giallo-Legende Dario Argento. Auf dem Soundtrack sind u. a. Brian Eno oder Bill Wyman zu hören. Sozialkritisch wird es mit dem Drama I, Daniel Blake des britischen Regisseurs Ken Loach. Hier steht ein Tischler im Mittelpunkt, der aufgrund einer Verletzung auf Sozialhilfe angewiesen ist und dadurch in die Mühlen der Bürokratie gerät. Loach konnte für sein engagiertes Werk im vergangenen Jahr die Goldene Palme in Cannes entgegennehmen. Einen Ausflug in private Befindlichkeiten – trotz der Arbeitslosigkeit seines Protagonisten – unternimmt dagegen Wilde Maus, das tragikomische Regiedebüt Josef Haders. 

Arena Sommerkino 
www.arena.co.at

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