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Perfect Imperfection

Text: Jenni Koutni Fotos: Press

Nicht alles muss vollkommen sein, um als schön zu gelten. Designerin Anna Pietrowicz stellt die Prinzipien der Mode auf den Kopf.

 

„Ich bin Anna Pietrowicz. Ich bin Modedesignerin und komme aus Polen.“ Auf so zurückhaltende Weise stellt sich die junge Absolventin der Cracow School of Art and Fashion Design vor. Wer Exzentrik will, ist hier an der falschen Adresse. Wer aber hintergründige Mode und einfühlsame Formsprache sucht, für den ist die erste Kollektion der Modeschöpferin genau das richtige. Die Wörter „Melancholy“, „emotions“ und „weakness“ prangen am Moodboard von „Nobody will believe you“ neben Zeitungsausschnitten und Skizzen zerbrechlicher Hände. „Ich wollte eher unkonventionelle Silhouetten schaffen. Ich habe schon fertige Kleidungstücke auf unnatürliche Weise an meiner Puppe drapiert. Das Ärmelloch wurde so zum Beispiel zum Halsausschnitt, alles wurde noch verlängert oder bekam Oversize. Alles sollte eine gewisse Melancholie verströmen.“ Hört man die junge Frau über ihre Entwürfe fachsimpeln, scheint es fast, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Tatsächlich war es ein Kindheitstraum, Modedesignerin zu werden. An Talent mangelte es nicht. Bereits in der High School nahm Anna an einem Design-Wettbewerb teil. Das Resultat: Ihr T-Shirt gewann den ersten Platz und war in ganz Polen zu erwerben. Es mussten noch weitere erste Plätze folgen, bis sie ihren Heimatort hinter sich ließ um in Krakau das lang ersehnte Modestudium zu beginnen. „Die beste Entscheidung meines Lebens!“, schwärmt sie noch heute. Fein-gestrickte Kleider zusammen mit groben Jacken, transparente Blusen mit robusten Leder-Accessoires, die Stoffe ausschließlich in Schwarz und Weiß – alles in Annas Kollektion scheint im Widerspruch zueinander zu stehen. Und das soll es auch, denn sie ist auf den Prinzipien des japanischen Wabi Sabi (siehe auch FAQ10) aufgebaut. Eine Philosophie die besagt, dass auch Dinge wie Verfall, Alterung und Gebrauchsspuren schön sein können, nein, sogar müssen. Denn die Spuren des Lebens sind etwas Erstrebenswertes. „Es ist nicht wichtig, ob meine Arbeit als schön bezeichnet werden kann. Ich strebe mehr an. Mode muss für mich auch Tiefe besitzen.“ In Annas Welt ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Genauso wie die Designerin selbst. Denn auch die schüchternste Begrüßung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie selbst ihrer ersten Kollektion in gewisser Weise sehr ähnelt: Auf den ersten Blick zurückhaltend aber eigentlich ganz groß.

www.annapietrowicz.com

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