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Poetische Analysen

Text: Michael-Franz Woels Fotos: MAK

„Um gemeinsam zu arbeiten, benötigt es ein gemeinsames Ziel und ein gemeinsam genutztes Werkzeug. Wir haben das ‚poetische Analyse‘ genannt. Das Trickreiche daran ist, dass da das Zusammenfügende, die Poiesis, mit der Analyse, also dem Auseinandernehmen, eine groteske Kopplung eingeht. Die ‚poetische Analyse‘ als Recherche-Werkzeug besteht aus drei Suchfeldern: das sind zum einen intuitive Bilder. Dann beschäftigen wir uns intensiv mit kulturgeschichtlichen Mythen und, als drittem Suchfeld mit gewissen Ritualen, die als grundlegende Überlebensstrategien des Menschen entwickelt wurden.“ erklärt Harald Gründl im FAQ21-Interview den Designansatz des gemeinsam mit Martin Bergmann und Gernot Bohmann geführten Büros EOOS. Das MAK Wien zeigt nun die erste große Einzelausstellung des seit 20 Jahren erfolgreichen österreichischen Designstudios EOOS. Das von EOOS letztes Jahr gestaltete MAK DESIGN LABOR liefert dafür den adäquaten Raumentwurf und gibt anhand eines thematisch strukturierten Parcours Einblicke in den poetisch-analytischen Arbeitsprozess von Bergmann, Bohmann und Gründl. Ihr 1995 gegründetes Studio nannten die drei nach einem der Zugpferde des am Firmament rasenden Sonnenwagens in Ovids poetischem Meisterwerk „Metamorphosen“. Und rasend war auch der Erfolg von EOOS, mit über 130 internationalen Designpreisen eines der erfolgreichsten Designstudios. EOOS können auf eine Vielzahl technischer Patente verweisen, die verdeutlichen, dass sich das Studio nicht mit Standardlösungen zufrieden gibt. Im zentralen Raum EOOS transformiert wird von Möbelstücken eine langsame, mechanische Choreografie aufgeführt. Ein Sofa, eine Duschkabine, mehrere Bürosessel und ein Küchenschrank bespielen den Raum als Akteure in Bewegung und veranschaulichen die für EOOS essenzielle Auffassung von Design als transformierender Kraft.

Neu entstanden ist eine Fotoarbeit von Elfie Semotan, die EOOS in deren Studio in der Zelinkagasse besuchte. Anlässlich der Ausstellung EOOS im MAK DESIGN LABOR erscheint im Frühjahr 2015 auch die erste Monografie des Designstudios, herausgegeben von MAK und EOOS.


MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst
MAK DESIGN LABOR: EOOS
bis 17. Mai 2015

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