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Setzt die Segel!

Wenn die großen Freiluftbühnen wieder Ihren Platz im Winterquartier in der großen Lagerhalle gefunden haben,  dann kann es bis zum großen Indoor-happening nicht lange dauern. Das Ahoi! Pop Festival setzt in diesem Jahr vom 30. Oktober bis 2. November seine Segel im Linzer Posthof unmittelbar neben dem Hafen. Die selbst gestellte Aufgabe ist es, die vielfältigen Spielweisen von Pop an vier Abenden möglichst ohne Scheuklappen hell und von vielen Seiten zu beleuchten.  Gestartet wird mit dem Motto Dancebeat.Den umfassenden Gedanken des Festivals manifestieren neben der australisch/schwedischen Tanzpopmischung Kate Boy auch das Berliner Brandt Bauer Frick Ensemble. Die Mission des Trios ist es, Techno mit Klavier, Bass und Schlagzeug zu interpretieren, wobei dabei klanglich Ausflüge in alle Richtungen erlaubt sind. Da schaut Philip Glass genauso um die Ecke wie Duke Ellington, Esquivel oder Westbam. Überraschungen sind also garantiert.
Der zweite Abend steht unter der Überschrift Songwriter/ Folk wurde klar mit Stars programmiert. Da ist einmal Scott Matthew, der sich gerade als coolster Hund aller männlichen Jammerlappen mit Gitarre seine Nische erobert  hat. Dass dabei auch Humor eine Rolle spielt, zeigt die Auswahl der Coverversionen seiner letzten Platte,  denn wer sich an Whitney Houstons „I Wanna Dance With Somebody“ versucht, der hat definitiv Eier in der Hose. Hinter dem Rauschebart verbirgt sich also durchaus auch ein Schelm. Headliner des Abends ist Badly Drawn Boy, der König des erwachsenen Popsongs, der sich mit der Filmmusik zu About A Boy schon ein frühes Denkmal gesetzt hat. Die britische Versponnenheit, gepaart mit seiner stupenden Songwritingtechnik, macht Projektbetreiber Damien Gough zum Star und auch wenn der Perfektionist einmal unsicher in die Halle schauen sollte, seine Band und seine Songs hat er immer im Griff. Als Widerpart, Bereicherung und Anregung wird auch Ghostpoet eines  seiner  raren Österreichkonzerte geben. Vor kurzem noch Retter des britischen Hiphop, schob er nun den Laptop in den Hintergrund und entdeckte  Instrumente. Auf „Some Say I So I Say Light“ treibt Ghostpoet 2013 seine Kreativität in neue Höhen. Da treffen harsche Industrial Beats auf sonore Pianolinien, hyperdetaillierte Klangornamente auf lakonische Spoken Word Poetry und bewusst im Hintergrund gehaltene Fragmente von Vokalharmonien. Der Mann wird bald mehr als ein Hoffnungsträger sein.
Tag drei und vier sind den Themen Klangkosmos und Indiepop gewidmet und auch hier sollte Langeweile nur außerhalb der Mauern des Posthofs aufkommen. Thees Ullmann, Austra und Velojet sprechen eindeutig für diese Annahme.


Ahoi! Pop 2013, Musik-Festival
Posthof Linz, 30. 10. bis 02. 11. 2013
http://ahoi.posthof.at

Tags:

  • Fotos: Ahoi! 2013
  • Issue: 24
  • Keywords: Music