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Oh Magic © C. Lessire

Spielorte

Text: Oliver Stangl Fotos: Press

Der Herbst ist unwiderruflich da und bringt neben fallendem Laub und kühlen Temperaturen auch jede Menge Depressionen mit sich. Eines der besten Gegengifte: Kultur. Reichlich davon im Angebot hat das brut Wien, das in dieser Saison nicht nur mit einem hochkarätigen Programm, sondern auch mit abwechslungsreichen Locations punktet. Denn nachdem die Sanierung des Künstlerhauses noch einige Monate in Anspruch nehmen wird, schwärmt das brut aus und bespielt verschiedene Orte in Wien. Clubs wie die Grelle Forelle werden dabei ebenso erobert wie das Volkskundemuseum, leerstehende Gebäude oder Bushaltestellen.

Eröffnet wird die Saison am 19. Oktober in der Halle G des MuseumsQuartiers mit Simon Maysers fantasievollem Stück „Oh Magic“: Die neue Produktion des Tausendsassas Mayer, der als Performer, Tänzer, Choreograf und Musiker tätig ist, kommt in Gestalt eines Livekonzerts daher, das im Verbund von Robotern und Menschen bestritten wird, dazu gesellen sich Tanz und Perfomance. Die Aufführung findet ganz ohne Sprache statt und versteht sich „als ein Ritual zur Feier der Lebensenergie, das durch unakademisches Musizieren zum rituellen Ursprung von frei-expressivem Körperausdruck zurückkehrt.“ Live-Elektronik, Klavier, Gesang, Synthesizer und Schlagzeug loten dabei das ambivalente Verhältnis von Mensch und Technologie aus. Da es sich um eine Thematik handelt, die zu Diskussionen geradezu einlädt, gibt es am 24. Oktober im Anschluss an die Aufführung ein Publikumsgespräch.

Eine Mischung aus Computerpower und organischem Leben ist übrigens auch die audiovisuelle Live-Performance TEK MATER, die von der Performancekünstlerin Monsterfrau und dem Technomusiker Crystal Distortion Mitte November in der Grellen Forelle aufgeführt wird.

Zu den größeren Projekten der Saison zählt „Nesterval’s Dirty Faust: The Time of their Life – and Death“. Das berühmteste Stück des Geheimrats lud in den letzten Jahren immer wieder Künstler zu popkulturellen Interpretationen ein – man denke etwa an Michael Laubes Produktion „Fassbinder, Faust and the Animists“, die vor wenigen Monaten bei den Festwochen zu sehen war – und wird denn auch vom Performancekollektiv Nesterval mit Pop aufgeladen. Genauer gesagt: mit Tanzfilmen aus den achtziger Jahren, wovon ja bereits der Dirty Dancing-inspirierte Titel kündet. Doch neben Goethe und Tanz gibt es auch eine Krimihandlung, in die das Publikum von mehr als 30 Darstellern hineingezogen wird. Die in einem Hotel angesiedelte Story um den mysteriösen Tod zweier Angestellter kann dabei mit jeder Aufführung einen anderen Ausgang nehmen. Immersives Theater, Interaktivität und ein Ensemble, das Profis und Laien vereint, wollen den Zuschauer auf eine abenteuerlich-fantasievolle Reise mitnehmen. Die Aufführung steht am 25. Oktober erstmals und am 12. Dezember letztmals auf dem Programm. Man darf gespannt sein.

Ebenfalls Eighties-inspiriert ist die Performance „Houseparty“ von notfoundyet/Laia Fabre & Thomas Kasebacher, die im Hamakom über die Bühne gehen wird. Von einer skurrilen britischen Fernsehserie aus den achtziger Jahren ausgehend, die sich an Frauen der Oberschicht wandte, werden Realität und Fantasie vermengt.

Im Volkskundemuseums wird die Wiener Künstlerin Alix Eynaudi Anfang Dezember ein Tanzstück zur Aufführung bringen. „Chesterfield“ ist ein choreografisches Projekt in Form einer performativen Ausstellung, deren Absicht es ist, poetische Beziehungen zwischen Tanzen, Lesen, dem Objekt Buch und dem Material Leder herzustellen und zu entwickeln. Weitergeführt werden auch die beliebten brut Extras und das Talkshowformat „Zu Gast“ mit Pia Hierzegger.

Ein vielfältiges Programm also, das man nicht zuletzt dazu nutzen kann, Orte in Wien aufzusuchen, die man schon länger nicht mehr (oder vielleicht noch nie) besucht hat. 2018 kehrt das brut denn wieder ins Künstlerhaus zurück.


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