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Steidlville

Text: Carola Leitner Fotos:

Der 88 Minuten dauernde Dokumentarfilm „How to Make a Book with Steidl“ von Gereon Wetzel und Jörg Adolph ist zu Recht preisgekrönt. Allein der Titel hätte auch anders lauten können, wie How to Make a Book with Gerhard Steidl. Denn dieser, Verleger und Drucker in Personalunion, trägt durch sein Auftreten, seine Persönlichkeit zum Gelingen und zur Atmosphäre des Films bei. Jedoch soll keineswegs die Arbeit von Wetzel und Adolph geschmälert werden – im Gegenteil. Als Zuseher folgt man durch Linse und Augen der beiden dem Verlagschef auf Schritt und Tritt. Sein Umgang mit den zu verlegenden Künstlern ist einzigartig, die Gespräche hörenswert. So beobachtet der Film die Zusammenarbeit Steidls mit weltberühmten Fotografen wie Joel Sternfeld, Robert Frank, Ed Ruscha, Jeff Wall und anderen und blickt den Agierenden über die Schultern. Die Kamera begleitet Steidl zu den Arbeitsstätten der Künstler, wo die nächsten Schritte der Weiterentwicklung der Projekte diskutiert werden. Jedes Buchprojekt wird individuell von Gerhard Steidl mitgetragen. Er, weißbekittelt wie ein Chemielaborant, eilt hastig durch den Verlag – für ein entspanntes Gespräch ist keine Zeit.

Anhand einer Publikation von Joel Sternfeld wird die Realisation eines Buches im Film gezeigt. Sternfelds mittlerweile realisierter Titel heißt „iDubai“ und besticht nicht nur durch sein eigenwilliges kleines Querformat, sondern ist darüber hinaus gnadenlos geschmacklos gebunden. Der staunende Zuseher nimmt teil am wahnwitzigen Gespräch zwischen Fotograf und Verleger, währenddessen entschieden wird, dass die Schrift in Gold am Buch sein wird und es auf der Rückseite einen absurd großen Barcode haben wird. Radikal genial. Der leidenschaftliche Büchermacher Gerhard Steidl erzählt, erklärt und entscheidet ... er spricht vom verlorenen Wissen der Buchmacherkunst und davon, dass ihm bei seinen Büchern auch der Geruch wichtig sei, weshalb er Lacke auf Ölbasis verwende – er will, dass seine Bücher duften – und versenkt auch gleich seine Nase in eins der vor ihm liegenden Bücher. Künstler, Fotografen, Museen wollen mit ihm und seinem Verlagsteam zusammenarbeiten, denn hier steht Qualität und Perfektionismus über allem.


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