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Stimmen lügen nicht

Trennungen sind ein neuer Anfang. Als Vince Clark sich 1981 von Depeche Mode trennte und diese bald darauf ihre Weltkarriere starteten, hatte er nicht viel mehr in der Hand als seine Synthesizer und ein paar Songideen. Da hatte er den brillanten Einfall, die Eltern seiner Freundin Alison Moyet, mit der er in die Musikschule gegangen war, anzurufen. Die suchte zwar gerade eine Bluesband, um ihr Glück zu versuchen, sagte aber kurzerhand zu, da sich auf die Anzeige niemand meldete. Schnell war das Demo von „Only You“ eingesungen, und beim zweiten Mal hören gefiel es auch dem Gründer von Mute-Records, Daniel Miller. Die Single wurde in kurzer Zeit eingespielt – ein Stück für den Pop-Olymp war geboren. Moyet fand für das ungleiche Duo den Namen Yazoo, der Song debütierte auf Platz 198 der englischen Charts und stieg Woche für Woche höher. Der Magie der Stimme, die diesen Song ein für allemal definierte, verfielen immer mehr Menschen, und die Kombination aus der warmen Stimme und den Beats ist heute noch unwiderstehlich. „Only You“ stieg im Lauf der Zeit auf Platz 2, die Spitzenplatzierung wurde als kleiner Treppenwitz der Geschichte von Nicoles englischer Version von „Ein bisschen Frieden“ verteidigt. Es folgte mit „Don’t Go“ ein weiterer Eintrag in alle Poplexika. Nach zwei Alben und vier Singles trennten sich Yazoo. Vince Clark wurde später mit Erasure glücklich.

Alison Moyet startete ihre Solokarriere, knüpfte mit „Alf“ und Hits wie „Is This Love“ oder „All Cried Out“ an ihre Erfolge mit Yazoo an und schaffte es im Laufe der Jahre zu einer der meistgeliebten Sängerinnen ihrer Heimat zu werden. Wenn es einen Duettplatz an der Seite von Ikonen wie Sandie Shaw zu vergeben gab, ging er immer an sie. Den Willen, Amerika zu erobern, hatte sie nie, denn erstens waren auch die Kinder zu versorgen und zweitens waren die Zwänge des amerikanischen Markts nichts für eine Songwriterin, die immer mit beiden Beinen im Leben stand und ihren Working Class Background nie verleugnete. Wie ist es sonst zu erklären, dass sie glühende Anhängerin des Drittligisten Southend United ist, eines Vereins, der so weit weg vom großen Geld ist, wie ihre Stimme von jeder Künstlichkeit? 2017 erschien mit „Other“ nach vierjähriger Pause wieder ein Album. Es wurde zum Triumph einer Songwriterin, die ihren Weg geht und ihre Songs erst dann vorstellt, wenn die reif sind. Dass Alison Moyet die Tour zum neuen Album auch nach Wien führt ist ihrer Einsicht geschuldet, dass sie ihr ganzes Leben ein Couch-Potato war. Daher spielt sie jetzt die längste Tour ihres Lebens.

Alison Moyet: „Other“ (Cooking Vinyl)
Live: 16. Dezember 2017, 20 Uhr, Simm City Wien

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  • Fotos: Steve Gullick
  • Issue: 45
  • Keywords: Music