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The Square

Text: Pamela Jahn Fotos: Filmladen

Die neue, preisgekrönte Satire des dänischen Filmemachers Ruben Östlund kreist um Kunst und zwischenmenschliche Unzulänglichkeiten.

Manche Filme passen nicht recht ins Format. Sie sind entweder zu sperrig oder zu elliptisch, lassen sich schwer fassen und schon gar nicht halten, sodass man am Ende beinahe so verzweifelt vor dem Ergebnis steht, wie die Figuren, die darin agieren. Ruben Östlunds The Square, Palme-D’Or-Gewinner des diesjährigen Festivals in Cannes, weiß diesem Schicksal allein schon aufgrund seines griffigen Titels zu entgehen – glaubt man zumindest. Doch wie so oft in der Kunst trügt auch in dieser unterhaltsam-verqueren Gesellschaftssatire mehr als nur der Schein. Und so dauert es nicht lang, bis man sich entscheiden muss zwischen Toleranz oder Kritik, Vertrauen und Argwohn, und allem, was in Östlunds verstärkt surrealer Sicht auf den düsteren Zustand unserer Wohlstandswelt darin eingekeilt liegt.

Schuld daran ist nicht zuletzt das titelgebende Quadrat, das der versierte Stockholmer Starkurator Christian (Claes Bang) vor kurzem für den Bestand seines Museums in Auftrag gegeben hat. Die Kunst des leuchtenden Vierecks, das nun den Vorplatz des Hauses bespielt, besteht darin, dass es diejenigen, die es zu betreten wagen, zum Innehalten sowie zu sozialer Empathie verpflichtet, während außerhalb der gerahmten Schutzzone die Dinge immer mehr und vor allem immer merkwürdiger aus den Fugen geraten. Wie unberechenbar das Chaos um sich greift, bekommt auch Christian bald am eigenen Leib zu spüren, als ihn Trickbetrüger in einer äußert geschickt arrangierten Aktion um Handy und Brieftasche erleichtern. Entrüstet und perplex zugleich macht sich der eitle Kunstkenner auf die Suche nach den Tätern und setzt damit eine Reihe von Ereignissen in Gang, die nicht nur sein Privatleben einer ungemütlichen Realitätsprüfung unterziehen, sondern gleichzeitig das ganze Desaster zwischenmenschlicher Unfähigkeit in einigen wenigen Einstellungen bestürzend genau auf den Punkt zu bringen versteht.

Vor allem in diesen Momenten ist The Square ein starker Film mit pointierten Dialogen und Augenblicken so voller Peinlichkeit und reuiger Verzweiflung, dass man oft nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Aber es ist auch ein Film, der seine Einwände – und damit seine Schwächen – mit bisweilen frustrierender Klarheit an das Publikum heranträgt. Zwar legt Östlund, der bereits in Force Majeure (2014) ein feines Gespür für die Irrwege individueller und gesellschaftlicher Torheit bewiesen hatte, auch hier genügend Ernst an den Tag, um die tragische Ironie seines illustren Spiels weitestgehend im Zaum zu halten. Dennoch tappt er am Ende selbst in die tückische Kunstfalle der überdeutlichen Kritik, was dazu führt, dass bestimmte Szenen nicht nur nervig wirken, sondern über einen gewissen Punkt hinaus nur mehr dem Selbstzweck dienen, anstatt die ansonsten gelungene Satire auf ihr längst überfälliges Ziel hinzusteuern.


THE SQUARE
Drama/Komödie
Dänemark/Deutschland/Frankreich/Schweden 2017
Regie, Drehbuch Ruben Östlund Kamera Fredrik Wenzel
Mit Claes Bang, Elisabeth Moss, Dominic West, Terry Notary
Verleih Filmladen, 142 Minuten
Kinostart 17. November

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