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The Witch

Streng sind die Sitten unter den Siedlern in Neuengland um das Jahr 1630, ein gottesfürchtiges Leben hat für die Puritaner oberste Priorität. Doch selbst ihnen wird die fanatische Selbstgerechtigkeit mit der William, der vor nicht allzu langer Zeit aus England in die Neue Welt übergesiedelt ist, dem Glauben anhängt, zu viel. Wegen seiner Anmaßung wird der Mann samt seiner Familie aus der Ansiedlung verbannt. William, seine Frau Catherine und ihre fünf Kinder müssen sich fernab des Dorfs in der Wildnis am Rand eines großen, dunklen Waldes niederlassen. Das harte, einsame Leben setzt der Familie zu, als jedoch eines Tages Babysohn Samuel beim Spielen mit Thomasin, der ältesten Tochter, auf unerklärliche Weise verschwindet, nimmt das Unheil seinen Lauf. Denn der Verlust von Samuel wird umgehend auf das Wirken teuflischer Mächte, namentlich einer Hexe, die im Wald ihr Unwesen treiben soll, zugeschrieben. Man darf nicht vergessen, dass im Neuengland jener Tage Glaube und Aberglaube fixer Bestandteil von Denken und Handeln waren. Als die Maisernte verfault und auch noch Sohn Caleb schwer erkrankt, drängt sich für die strenggläubige Familie immer mehr der Verdacht auf, dass das Böse nicht nur im Wald lauert, sondern schon mitten unter ihnen zu finden ist. Angst, Misstrauen, Verdächtigungen und gegenseitige Anschuldigungen greifen um sich, die Lage droht zu eskalieren.

Robert Eggers hat mit The Witch, der sich bereits beim Sundance Film Festival 2015 bei Kritikern und Publikum zu einem veritablen Überraschungserfolg entwickelte, ein bemerkenswertes Regiedebüt abgeliefert. In ausgebleichten Farben und Dialogen im antiquierten Sprachduktus jener Zeit generiert seine Inszenierung einen Mix aus Historie, Mystery und blankem Horror, der nach und nach eine Sogwirkung entwickelt, der man sich nicht entziehen kann. Der streckenweise beinahe spröde in Szene gesetzte Plot changiert geschickt zwischen Wahn und Wirklichkeit, lässt immer wieder offen, was nun der von religiösem Fanatismus gespeisten Vorstellungen der Protagonisten entspringt oder vielleicht doch in unerklärlichen Ereignissen – der Untertitel A New England Folktale deutet diese Ambivalenz bereits an – seinen Ursprung hat. Parallel dazu erweist sich The Witch aber auch als fulminantes Lehrstück darüber, welche verhängnisvollen, destruktiven Kräfte ideologisch bedingter Fanatismus samt der damit einhergehenden Intoleranz und Engstirnigkeit zu entfesseln vermag. Wie unter einem Brennglas wird anhand der kleinen Familie deutlich, dass geistige – in diesem Fall als sichtbares Zeichen auch physische – Abschottung rationales Denken auslöscht und so zielsicher politisch oder religiös motivierten Fanatismus gnadenlos unmenschlich werden lässt. Die Ereignisse von The Witch erscheinen dabei wie ein Vorbote jenes unseligen Wahnsinns, der Neuengland bei den berüchtigten Hexenprozessen von Salem wenige Jahrzehnte später erfassen sollte.


The Witch
Horror/Drama, USA/Kanada 2015
Regie, Drehbuch: Robert Eggers
Mit: Anya Taylor-Joy, Ralph Ineson, Kate Dickie, Harvey Scrimshaw, Ellie Grainger
Kinostart: 19. Mai

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