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Tradition ganz neu

Klar ist die Formensprache der Österreicherin Klara Neuber – und gleichzeitig auch der Name ihres in Wien ansässigen Modelabels.

Welches Bild entsteht, wenn wir an Dinge wie Blaudruck, Loden oder groben Walk aus der Steiermark denken? Vermutlich schwirren uns sofort Bilder von aufgerüschten Dirndln und steifen Trachtenmänteln durch den Kopf. Die traditionsreichen Gewänder aus der Heimat mögen ihren ganz eigenen Charme haben, aber mit luftig-lockerem Minimalismus von heute haben sie so gar nichts zu tun. Dass sich diese beiden Dinge – nämlich Tradition und Moderne – wunderbar verstehen können, beweist das österreichische Modelabel Klar. Obwohl hier der Name Programm ist, fließt auch die Identität der Gründerin ein: Klara Neuber steckt hinter der Wiener Modemarke, die sich bereits etabliert hat. Das liegt wahrscheinlich auch an der Zielstrebigkeit der Designerin selbst: „Mit einer klaren Vision findet man seinen Weg. Egal wo!“. Obwohl sie ihr Atelier in der Landeshauptstadt verwurzelt hat, genauer gesagt im Schnittbogen, findet sie neue Ideen in allen Regionen Österreichs, wie sie erzählt: „Es gibt eine Fülle an Stoffproduzenten in der Nähe. In der Steiermark gibt es Hightech-Lodenfabriken, im Mühlviertel sind es Webereien, die auf Leinen spezialisiert sind und Indigo-Handblaudruck habe ich im Burgenland gefunden.“

Manchmal gestaltet sich diese Suche nach der heimischen Stoff-Historie wie eine Schatzsuche, bei der man fast Vergessenes zutage bringt: „Die beiden letzten Betriebe, die Blaudruck in Österreich herstellen, verwenden zum Teil handgeschnitzte Holzmodelle, die über Hundert Jahre alt sind. Das sind plakative Muster, die jeder in Österreich kennt.“ Muster und Techniken, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Deswegen kooperiert Klar regelmäßig mit regionalen Manufakturen, co-kreiert mit Künstlerinnen und Künstlern und stellt immer das Material ins Zentrum ihrer kreativen Arbeit. Dabei greift sie oft tief in die Traditionskiste, was Stoffe wie die oben genannten Blaudrucke oder auch der Loden beweisen. Das Besondere sind allerdings die Schnitte, mit denen sie die Stoffe in ganz neues Licht setzt. Reduzierte Linien und puristische Ästhetik scheinen zwar im Widerspruch zur Trachten-Materialität zu stehen, bekommen schlussendlich aber eine völlig neue, wunderschöne Formensprache. Apropos: Kommt eine komplette Dirndl-Kollektion vielleicht auch einmal infrage? „Mit reduzierten Entwürfen möchte ich mich von der klassischen Tracht abheben. Ein Klar-Dirndl schließe ich nicht aus – aber meine Version wäre wohl sehr abgeräumt.“ Ob Dirndl oder nicht, ein Wort steht immer im Fokus: Slow Fashion. Es geht nicht darum, jede Saison Neues zu erschaffen, sondern ein Kleidungsstück, das viele davon überdauert. Diese Zeitlosigkeit ist es schlussendlich auch, die Klara Neubers Entwürfe mit den Trachten wieder verbindet.

www.klaraneuber.at

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