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Cyndi Lauper © Cyndi Lauper MGMT

True Jazz

Wenn sich das Schuljahr dem Ende zuneigt, dann ist es Zeit für das Jazzfest Wien, das diesmal von 28. Juni bis 10. Juli seine Pforten öffnet. Es wird oft dafür kritisiert, seinem Namen nicht immer und überall zu entsprechen, aber kleingeistige Diskussionen über Schubladen mögen andere führen. Das Jazzfest bringt nämlich Künstler in die Stadt, die sonst vielleicht den Weg nach Wien nicht gefunden hätten, oder zumindest nicht in diesem Rahmen zu erleben wären. Wer erinnert sich nicht mit leuchtenden Augen an den Auftritt von Brian Wilson in der Staatsoper? Unter welcher Überschrift solche Wunder stattfinden, sollte nun wirklich egal sein.

2016 setzt das Jazzfest seinen Weg konsequent fort. Clubs wie das Jazzland oder das Miles Smiles werden genauso bespielt wie das Flaggschiff Staatsoper. In dieser tritt am 1. Juli ein Mann auf, der schon vollkommen aus der Zeit gefallen ist: Burt Bacharach war der musikalische Leiter der Band von Marlene Dietrich, ehe er mit Hal David jene Songs komponierte, die die halbe Welt pfeifen kann: „Raindrops Keep Fallin’ on My Head“, „What’s New Pussycat“ oder „Always Something There to Remind Me“. Grammys, goldene Schallplatten und Oscars sammmelte er schon fast im Vorbeigehen, später nahm er mit Elvis Costello auf und verzauberte im letzten Jahr das Publikum beim Glastonbury Festival. Am 1.Juli wird sich der Spätachtziger ans Klavier setzen, zusammen mit seinem Orchester und Gastvokalisten Perlen aus seinem Katalog interpretieren und die Besucher auf eine Zeitreise einladen.

Zwei Tage später wird Cyndi Lauper die Oper mit ihrer Energie füllen. Sie war einmal die Konkurrenz zu Madonna, aber der Ritterschlag als Songwriterin war wohl der Moment, als Miles Davis „Time After Time“ coverte und so diesen Song in den Rang hob, den er auch verdient. Cindy Lauper blieb aber nie stehen und perfektionierte ihre Fähigkeit als Interpretin in Songs hineinzukriechen und ihnen ihren Stempel aufzudrücken. Ihr Album Memphis Blues mit Blueshelden wie Charlie Musslewhite oder B.B.King war mehr als kompetent und ihr in diesen Tagen erscheinendes Album Detour mit Countryklassikern von „Nightlife“ bis „Walkin after Midnight“ schließt nahtlos an dieses an. Spätestens wenn sie die Dulcimer auspackt und „True Colors“ anstimmt, wird klar, dass hier eine der großen Könnerinnen auf der Bühne steht. Ob auch Songs wie „She Pop“ oder „Girls Just Want to Have Fun“ zum Einsatz kommen, wird der Abend zeigen.

Am 8. Juli spielt Marc Ribot mit seinen Young Philadelphians im Arkadenhof des Rathauses und den glanzvollen Abschluss bildet das Solokonzert von Keith Jarrett im Goldenen Saal des Musikvereins. Vor 12 Jahren trat er das letzte Mal als Solist ebendort auf. Ob er mit seinen Improvisationen und seinem Charisma die Spannung früherer Abende erreichen wird, bleibt abzuwarten. In jedem Fall ist ein einmaliger Abend garantiert, und die Frage, „Jazz oder nicht Jazz?“ bleibt beim Jazzfest weiter vollkommen egal.

www.viennajazz.org

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