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Gunilla Heilborn © Graphic Design Studio Reko

Unentdecktes Land

Künstler und ihre Communities, fortlaufende Prozesse und wiederkehrende Praktiken: Welchen Einfluss hat die mitunter zwanghafte Selbstoptimierung dieser Thaumaturgen auf ihre mittelbare und unmittelbare Umgebung? Wo liegt ihr Kraftzentrum? In den Veräußerungen der Künstler oder in ihnen selbst? Sind es die von ihnen geschaffenen Wohl- oder Unwohlfühlräume, jene Illusions-, Kompensations-, Abweichungs- und Krisenräume, die diese Persönlichkeiten inszenieren, die in weiterer Folge Veränderungen beim Publikum initieren können? Das Festival für Choreografie und Performance imagetanz stellt sich im März als Antwortenlabor für diese Fragestellungen zur Verfügung. Verschiedene Formate wie ein Club für das Training des sozialen Muskels, Salons für Diskussionen, One-to-One Begegnungen, Kooperationen, Workshops und natürlich gemeinsame Umtrunke und Partys sorgen für Begegnung mit Künstlern, die soziale Verbindungen aktivieren und das Publikum aus seiner passiven Zuschauerrolle befreit. Oder wie es die schwedische Choreografin und Filmemacherin Gunilla Heilborn, die für ihren trockenen Humor und ihren untrüglichen Sinn für Absurdität bekannt ist, formuliert: “On our way into unkown territory: Cheers!” In ihrer Soloperformance The Knowledge stellt sie Fragen unserer Existenz in den Mittelpunkt und fordert das Publikum nebenbei mit einem ausgeklügelten Gedächtnistraining heraus. Der Social Muscle Club wiederum startete 2012 als privates Happening in einem Berliner Wohnzimmer, inspiriert von einem kleinen Sheffielder Arbeiterclub, der Unterhaltung und gegenseitige soziale Unterstützung zu seinem Hauptzweck erklärt hatte. Nachdem der Club bereits in zahlreichen Städten in Europa stattgefunden hat, wird nun erstmals eine Wiener Ausgabe gemeinsam mit lokalen Künstlern realisiert. Julian Weber nutzt in the salon # under construction den Raum als Labor, um über längere Zeiträume hinweg in physische Ausnahmezustände einzutauchen und konfrontiert mit Material und Bewegungen, die vom Phänomen des Katastrophalen inspiriert sind. Das Publikum wird Teil dieser Begegnung, kann kommen und gehen und den Prozess beobachten. Mit dem Format Handle with care werden im brut Publikum und Kollegen regelmäßig zu ersten Skizzen und Gesprächsrunden eingeladen. Der Arbeitsprozess wird geöffnet und Raum für Dialog und Austausch geschaffen. Im Rahmen von imagetanz gibt es zwei Handle with care-Spezialausgaben: Die jungen Kunstschaffenden Andrea Gunnlaugsdottir und Sööt/Zeyringer laden zu einem Studiobesuch und geben Einblicke in die Entstehung und Entwicklung ihrer Stücke. Zu Colloquia lädt Anne Juren einzelne Zuschauer in ihr Atelier ein. In One-on-One-Sessions geht es, anknüpfend an ihre Performance Comma, die im Februar im brut zu sehen war, auf zur Reise durch den eigenen Körper. Es gibt natürlich noch viel mehr zu entdecken und zu erleben, daher sei das Festivalmotto zitiert: Seid willkommen und macht mit! You are enough!


Imagetanz 2016
3. März – 18. März 2016
www.brut-wien.at

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