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imagetanz, Ingri Fiksdal © Signe Becker

Unheimliche Körper

Text: Michael-Franz Woels Fotos:

Das Koproduktionshaus brut Wien wird im März zum Ort des Grauens, Aufenthaltsort dämonischer Darbietungen, Bewusstseinsoptionen und -positionen, zum Pandämonium jungblütiger Tanz-, Performance- und Installationskunst. imagetanz 2015 – Festival für Choreografie, Performance und Tanz sucht zwei Wochen lang die Stadt des bekanntesten Erforschers der Unheimlichkeiten heim. Es können viele Erstbesehungen vorgenommen werden, hier zu Beginn drei Empfehlungen, die das Ende der Veranstaltungsreihe an den Anfang setzen:

Die norwegische Choreografin und Performerin Ingri Fiksdal verarbeitet in ihrer neuen Arbeit HOODS Gefühle der Ablehnung und des Unbehagens. In einer kollektiven Zeremonie aus Körpern, (Schwarz-)Licht und Sound werden die Grenzen zwischen Bühne und Publikum aufgeschmolzen und atmos-phärisch-psychedelische Landschaften imaginiert, die auch der Geist von Timothy Leary gerne durchwandern würde.

Den Kadaver eines Tanzstücks untersucht das Künstlertrio Anna Prokopová, Petr Ochvat und Costas Kekis in Corpse of a dance piece. Die Kreatur des Zombies, rastlos oszillierend zwischen den Impulsen Warten und Angreifen, dient als Ausgangspunkt der Auseinandersetzung mit Unproduktivität in einer kapitalistischen Gesellschaft der Überdosierungen von Produktion, Effizienz und Selbst-optimierung.

VICTORY SMOKE von BAROKTHEGREAT beschwört mit E-Gitarren-Sound und Sieges-feier-Rauchwolken Schatten- und Lichtbilder eines Triumphes. Die Künstlergruppe BAROKTHEGREAT rund um Sonia Brunelli und Leila Gharib lebt und arbeitet in Verona und werkt an der Schnittstelle zwischen Musik und Tanz. Im Fokus steht die rituelle Funktion von Musik in Kombination mit traditionellen Bewegungsformen.

Studierende der Akademie der bildenden Künste Wien, Klasse Performative Kunst, wurden dieses Jahr ebenfalls zur Mitwirkung am Festival eingeladen. Eigens für den imagetanz Schwerpunkt „Unheimliche Körper/uncanny bodies“ konzipierte Performances, Interventionen, Installationen und Videoarbeiten wurden entwickelt.

In ihren künstlerischen Arbeiten thematisiert die Spanierin Núria Güell die Einwanderungs- und Asylgesetzgebung in Europa. Viele Asylsuchende sind gezwungen, Strategien der Unsichtbarkeit zu entwickeln. Fünf Personen, darunter Asylwerber und Beteiligte der Refugee-Protestbewegung in Wien, werden im Resselpark mit Passanten und dem brut-Publikum Verstecken spielen. Die Intervention Organized Disintegration im Rahmen von imagetanz, zuletzt bei der Göteburg Biennale in Schweden unter dem Titel Too Much Melanin durchgeführt, macht auf beunruhigende aber zugleich auch ironisch-spielerische Art und Weise ungleiche Machtverhältnisse sichtbar. Das Stadtlabor im Resselpark dient ergänzend zur Intervention als Treffpunkt für Gespräche.

Als eine Art Beschwörungsformel oder Abwehrzauber, zur Bannung oder Freisetzung diverser Dämonen, in der Reihenfolge ihrer erwarteten Erscheinungen, noch die Titel der übrigen Vor- und Verführungen: training, walk, hands, eyes, i’m not here says the void, shiver & shake, lunchtime, in the cold light of darkness something’s gonna die aka. ugly piece of shit, lonely lonely, meines.

    

imagetanz 2015
06.März – 21. März
www.brut-wien.at


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