article_444_pedro_salvadore_580x396.jpg

Vernissage OBEN

Text: Bernd Gutmannsbauer Fotos: Pedro Salvadore

Die Ortsangabe „oben“ gehört zu den welterzeugenden Dingen. Eine solipsistische Entität kann zwar nur für sich allein „sein“, aber sobald sie „oben ist“, verweist sie auf etwas, das darunter ist und somit auf etwas anderes als es selbst. Diesem raumstiftenden Vermögen wird bei der Vernissage “OBEN” nachgegangen: verschiedene Künstler, die ihre jeeigene Betrachtung des Begriffes „oben“ darstellen. Am Ende soll nicht eine umfassende Definition stehen, sondern möglichst verschiedenartige Fragmente, anhand derer sich ein mosaikhafter Überblick ergibt.

Michael Franz Woels stellt einen Teil seiner Stencil-Serie „DOXA10“ aus, die sich mit der Spannung zwischen dem Dogmatischen, das abgebildet wird und dem Überdenken dieser Vorgegebenheit auseinandersetzt. Zudem wird er zusammen mit dem Schlagwerker Alexander Wollmann anhand einer Instrumental-Performance der Frage nachgehen, inwiefern Musik eine Oberfläche hat und zeigen, dass sie den Raum abbildet, in dem sie erklingt.

Der Fotograf Pedro Salvadore beschäftigt sich in seinem Beitrag zur Ausstellung anhand seiner Bilder mit dem Moment, in dem der Künstler seine Arbeiten der Welt aushändigt, wenn er sie öffentlich zugänglich macht. Ähnlich wie die Serie „DOXA10“ sich mit dem Sujet auf und der Beschäftigung „unter“ der Oberfläche auseinandersetzt, verwandelt Salvadore die Vorarbeit des Aufhängens der Bilder in das oberflächliche Sujet seiner Fotografien und stellt damit die Frage, inwiefern der dynamische Prozess des Kunst-Machens überhaupt dargestellt werden kann.

Die Künstlerin Sylvie Proidl zeigt mit ihren Kalligraphien, dass nicht nur die plakative Oberfläche das Bild ausmacht, sondern vor allem, wie es gemacht ist. In der „Schönschreibkunst“ zeigt jeder Strich die Intention des Schreibers. „Unterhalb“ oder „innerhalb“ des Bildes gibt es somit eine eigene Welt des Federstrichs, des Materials und des intrinsischen Ausdrucks.

Der Philosoph und Musikproduzent Bernd Gutmannsbauer wird anhand eines Impulsvortrags über den Begriff „oben“ reflektieren. Dabei wird im Besonderen auf drei Fragen eingegangen: Ist Philosophie eine Wissenschaft, die von oben nach unten arbeitet? Was bedeutet der Blick von oben für den Menschen? Was bedeutet die Oberfläche für die Kunst? Unter seinem alter ego Adrian Flux wird Gutmannsbauer abschließend anhand von Musikstücken aus den Bereichen „Ambient“, „Field Recordings“ und „Drone“ der Frage nach der Verbindung zwischen Klang und Raum nachgehen.


Vernissage OBEN

Urban-Loritzplatz 2a
Cafe Oben

Donnerstag
21.03.2013 19 h

Pedro Salvadore (Photography)
Sylvie Proidl (Calligraphy)
Michael Franz Woels (Stencil-Drawings)
Lecture: Bernd Gutmannsbauer
Session: Alexander Wollmann / Michael Franz Woels
Sounds: Adrian Flux

Ausstellungsdauer: 21.03.2013 – 21.06.2013

Tags: