article_670_7-library_580x396.jpg

Von Burkina Faso Lernen

Der burkinisch-deutsche Architekt Diébédo Francis Kéré, bekanntgeworden unter anderem als Baumeister des Operndorf Afrika von Christoph Schlingensief, ist mittlerweile ein vielprämierter Idealist.

Die Hauptstadt von Burkina Faso gilt als wichtiges Zentrum des Afrikanischen Kinos. Seit 1972 richtet es das panafrikanische Filmfestival FESPACO aus, das seit 1979 alle zwei Jahre stattfindet und Cineasten aus der ganzen Welt anzieht. In Zukunft wird Burkina Faso wohl auch als ein Good-Practice Zentrum für ökologisch und sozial nachhaltige Bauwerke bekannt sein. Burkina Faso bedeutet übersetzt etwa „Land der ehrenwerten Menschen“. Und einer von ihnen ist der burkinisch-deutsche Architekt Diébédo Francis Kéré: „Ich habe kein bestimmtes ästhetisches Leitbild im Kopf, sondern richte mich nach den Bedürfnissen der Nutzer und den lokalen Gegebenheiten. Daraus entsteht ein harmonisches Ganzes, das den lokalen Verhältnissen angepasst ist.“ Francis Kéré wurde 1965 in Gando, Burkina Faso, geboren. Er war das erste Kind aus dem Dorf, das eine Schule besuchen durfte, da sein Vater, der Häuptling des Dorfes, seinem ältesten Sohn die Fertigkeiten des Briefeschreibens und Übersetzens vermitteln wollte. So musste Francis seine Familie im Alter von sieben Jahren für seine Ausbildung verlassen. Er wurde zunächst Schreiner und erhielt danach in Deutschland ein Stipendium der Carl Duisberg Gesellschaft für eine Ausbildung zum Entwicklungshelfer. In Deutschland holte er auch sein Abitur nach und schrieb sich 1995 für ein Architekturstudium an der Technischen Universität in Berlin ein. Vor zehn Jahren schloss er dieses Studium  ab und gründete in Berlin sein eigenes Architekturbüro Kéréarchitecture. Außerdem initierte er gemeinsam mit Freunden die Non-Profit-Organisation „Schulbausteine für Gando e.V.“, mit dem Ziel, sein in Europa erworbenes Wissen für sein Heimatdorf in Afrika einzusetzen. Noch während seines Studiums baute der Burkinabe in Gando eine Grundschule, für die er den wichtigen Aga Khan Award for Architecture gewann. Für Kéré war Architektur von Anfang an ein soziales Mittel und ließ ihn soziokulturelles Wissen als Grundlage seiner Arbeit nutzen.

Bekanntgeworden ist Kéré außerdem als Baumeister des Operndorf Afrika, einer künstlerischen Vision des 2010 verstorbenen Künstlers Christoph Schlingensief. Im Oktober 2011 wurde das Operndorf Afrika nach seinen Plänen in der Nähe der Hauptstadt Ouagadougou eröffnet. Es steht unter dem Motto „Von Afrika lernen“ und wird nun von Schlingensiefs Frau Aino Laberenz weiterbetreut. Weitere aktuelle Bauprojekte, die zur Zeit in seinem Heimatland Burkina Faso umgesetzt werden, sind die School Library Gando und die Surgical Clinic Léo. Letztes Jahr gewann Francis Kéré bei einem großen Stadtplanungswettbewerb in Mannheim gemeinsam mit dem Berliner Landschaftsarchitektur Büro Man Made Land den ersten Preis für das 45 Hektar große Gewerbegebiet Taylor Barracks Mannheim. Francis Kéré ist ein Idealist aus dem Land der ehrenwerten Menschen, oder wie er auch schon tituliert wurde, ein Baumeister des 21. Jahrhunderts.


Tags: