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Klaus Johann Grobe © Promo

Winterwundertöne

Bevor die Zelte für die Freiluftsaison auf Löcher überprüft werden und die Campingsessel beim Diskonter neu angeschafft werden, schenkt uns der Frühling eine wunderbare Konzertsaison. Am 20. März besuchen Klaus Johann Grobe das Fluc am Wiener Praterstern. Das Schweizer Duo ist ein Beweis dafür, dass Sounds, die jahrzehntelang in einem kleinen Zirkel hochgehalten wurden, auch in der allgemeinen Wahrnehmung angekommen sind. Die Töne von Harmonia oder Michael Rother leben in Bands wie Klaus Johann Grobe weiter, diese setzen eine kräftige Dosis Disco und Melancholie dazu und schon passt die Überschrift Krautrock-Disco und eine eigene Trademark ist geboren. Im Gegensatz zu den Urvätern touren sie nicht nur durch Europa, sondern schaffen das mit ihrer ureuropäischen Popvariante auch in den USA.

Bleiben wir gleich in den USA und zwar beim Soul. Aretha Franklin, Sharon Jones oder Charles Bradley haben uns verlassen, aber es gibt immer wieder Künstler, die dem klassischen Soul huldigen und ihn vor dem Vergessen bewahren. Ural Thomas veröffentlichte in den Sechzigern ein paar (inzwischen gesuchte) Singles und verschwand dann aus dem Musikgeschäft. Jetzt mit 78 ist er einer der großen Fackelträger des originären Souls und wird dabei von seiner durch die Bank bleichgesichtigen Band The Pain fast schon beängstigend bravourös unterstützt. Am 27. März werden Ural Thomas and The Pain die Bühne des Chelsea betreten und neben Ergriffenheit wird sich vor allem die Begeisterung breitmachen und die steifen Wiener Hüften in lockere Bewegung versetzen.

Lockerheit ist ein gutes Stichwort für Christian Steiffen. Der Menschenfreund und bekennende Rüschenhemdträger ist der unumstrittene Arbeiter der Liebe und verzeiht alle menschlichen Schwächen. Sein drittes Album trägt den bescheidenen Titel „Gott Of Schlager“ und natürlich ist es wieder voller tiefgreifender Betrachtungen zum Thema Beziehungen und Loblieder auf das angenehme Leben wie „Hier ist Party“. Bei seinem Auftritt am 26. April in der Szene Wien wird das Entertainmentmonster aber sicher auch auf seine Bildungsschlager „Sexualverkehr“ und „Selbstmitleid“ anstimmen, denn die Christianisierung der Welt, die er unverdrossen anstrebt, verlangt sein ganzes Werk.

Auf ein üppiges Werk können Element of Crime zurückschauen, aber die Band rund um Sven Regener schafft es seit Jahrzehnten sich selbst treu zu bleiben und trotzdem immer neue Facetten zu zeigen. Das stetig wachsende Publikum dankt es den gesetzten Herren und wird am 2. und 3. Mai in den Gasometer strömen um auch bei den Liedern der aktuellen Platte „Schafe, Monster und Mäuse“ die clevere und immer nur leicht betrübte Weltsicht von Regener zu genießen, sich zu umarmen, mitzusingen und vielleicht den Schlachtruf von Element of Crime anzustimmen: Romantik!

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