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Young, Gifted & Black

Es macht definitiv Sinn, sich in der Nacht vor den Bildschirm zu setzen und Empfehlungen zumindest eine Chance zu geben. Der Manager von Yola Carter schickte Dan Auerbach, der die Black Keys wieder einmal auf unbestimmte Zeit ruhen lässt, und sich als Produzent Lorbeeren verdient, ein Video vom Auftritt Yolas beim Americana Music Festival 2016. Auerbach war begeistert und hatte wohl schon eine Ahnung, welches Talent er hier gesehen hat. NPR, das öffentliche Radio in den USA, nahm zu dieser Zeit schon Notiz von ihr und in der alten Heimat England hatte sie mit Jools Holland einen Förderer gefunden, der sie auch in seiner Sendung „Later“ vorstellte.

Dabei war der Weg in Auerbachs hippes Studio in Nashville definitiv nicht vorgezeichnet. Nach einer harten und entbehrungsreichen Kindheit und Jugend als einziges schwarzes Kind in (ausgerechnet) Portishead bei Bristol an der englischen Westküste, strandete sie in London, war obdachlos und baute sich dort ganz langsam einen Ruf als Musikerin auf.

Auerbach lud Yola, nachdem er das Video gesehen hatte, nach Nashville ein und sie schmiedeten einen Plan: Er überredete sie, den Familiennamen als Künstlerin wegzulassen und schrieb mit ihr zusammen die 12 Songs von „Walk Through Fire“. Dabei nahmen sie am Weg noch ein paar Ratschläge von einschlägig bekannten Songwriter-Legenden wie Dan Penn und Pat McLaughlin mit, die Auerbach in sein Studio gebeten hatte. Und hätten die Songs nicht schon genug Wirkung im Spannungsfeld zwischen Country, Soul und eleganten Power-Balladen, so werden sie durch die Interpretation von Yola noch eine Klasse besser. Eine Stimme zwischen Tracy Chapman, Karen Carpenter und Aretha Franklin hat es noch nicht gegeben, und sie umschifft mit einer Souveränität jede Falle, die die Genres, die sie streift, bereithalten. Vokalakrobatik wird tunlichst vermieden, da sie ihre Songs ausfüllen kann und das auch mit ganzem Herzen und ganzer Kraft schafft.

Auf dem Titelsong, der von einem Brand in der Wohnung von Yola inspiriert wurde, vermischen sich raue Bluegrasstöne mit einer erhebenden Gospelmelodie und auf dem bereits vorab ausgekoppelten „Faraway Look“ hätte Burt Bacharach in seiner Glanzzeit das Arrangement schreiben können.

Hier haben wir es mit einer überragend vielseitigen Künstlerin zu tun, die schon viel erlebt hat, die darüber Songs schreiben kann und die jetzt angekommen ist um das Publikum noch lange zu verblüffen. Ohne Zweifel einer der Lichtblicke des Jahres.


Tags:

  • Fotos: Alysse Gafkjen
  • Issue: 51
  • Keywords: Music