Alfred Zacharias

Text: Carola Leitner | Fotos: Stephan Doleschal

Mit etwas aufzuhören, dass nicht funktioniert ist gut nachvollziehbar. Etwas sein zu lassen, das Erfolg hat, ist wiederum eine interessante Entscheidung. Alfred Zacharias, Gründer des SASS Music Club in Wien, hat sich nach guten und intensiven Jahren gegen das Clubbusiness entschieden und sich etwas Neuem gewidmet: der Filmerei. Der 37-Jährige Autodidakt hat bereits im Alter von zwölf Jahren fotografiert und gemeinsam mit dem Großvater in mühevoller Arbeit einen Kamerakran gebaut. Eines Konstruktionsfehlers wegen kam dieser jedoch nicht so recht zum Einsatz. Mittlerweile ist nach einigen Musikvideos, Kurz- und Experimentalfilmen das erste längere Filmprojekt abgedreht und gezeigt worden (Diagonale und Crossing Europe Film Festival). Shqipëria, ein Dokumentarfilm über Albanien, wurde gemeinsam mit Kollegen Klaus Hübner realisiert. Einem halben Jahr Recherche folgten knappe vier Wochen im Land mit rund 60 Interviews vom Premierminister bis hin zum Arbeitslosen. Ziel der beiden Filmemacher war es, das Land abseits der Vorurteile und Klischees zu zeigen und einen Beitrag über dessen vielschichtige Realität zu liefern, denn Albanien werde journalistisch meist anhand ausgewählter Themen wie der Blutrache dargestellt, erzählt Zacharias. In der filmischen Umsetzung verzichtete man bewusst auf einen Erzähler und verknüpfte die Interviewsequenzen zu einem unvollständigen Bild so der Filmemacher: „Es geht um die Vermittlung eines subjektiven Blickes, subjektiv wie die Erinnerung an eine Reise.“ Die Erzählweise beschränkt sich (nahezu ausschließlich) auf die Informationen, die die Interviewten liefern. Die Verknüpfung dieser Mosaiksteine ergibt ein Ganzes, das dem Zuseher einiges an Aufmerksamkeit abverlangt, da man ansonsten so mancher Querverweise verlustig geht – was schade wäre. Die sparsam verwendete Information wurde von der Kritik nicht nur positiv aufgenommen. Zacharias, studierter Philosoph und Linguist, sieht es gelassen, denn immerhin wollte man Raum für Interpretation lassen. Und: 50 Jahre Isolationismus lassen sich nicht in einem Film aufarbeiten. Zacharias: „Die offizielle Demokratie zu leben, ist für viele noch neu. Das war bei einer Demonstration, wo die Leute nicht recht wussten, wie sie sich verhalten sollten, gut spürbar.“ Dass Albanien noch immer ein weißer Fleck auf der Landkarte zu sein scheint, wird spätestens dann klar, wenn man sich selbst die Frage stellt: Was weiß man über Albanien? Noch ist es nicht viel …

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