Wenn der Sommer mit seinen Festivals endgültig nur noch eine Erinnerung ist, kommt das letzte Drittel des Konzertjahres traditionell so richtig auf Touren. Der Kalender ist dicht gefüllt mit Künstlern, und Planung ist angesagt. Der immer unausgeschlafen, aber trotzdem wie der Lieblingsteddybär wirkende Ire Mark Geary (mit Hauptwohnsitz New York) wird am 10.Oktober die historischen Hallen des Wiener Casino Baumgarten beehren. An dem Ort, an dem Qualtinger und alle heimischen Größen aufgenommen haben, wird Geary seine Songs präsentieren, die wohl am besten mit dem Wort menschlich beschrieben werden. Er ist alles andere als ein trauriger Troubadour, er ist ein Chronist der Gefühlswelten und daneben noch einer der großen hintergründigen Entertainer, der auch den einen oder anderen Kniff von seinem Freund Glen Hansard gelernt hat. Wenn alles den versprochenen Gang geht, wird das Konzert auch mit dem legendären analogen Equipment des Studios im Casino aufgenommen.
Etwas lauter wird es bei Yo La Tengo am 7.November im großen Saal des Wuk. Das Trio aus Hoboken, NJ hat das Wunder vollbracht, in den fast 30 Jahren Bandgeschichte immer spannend geblieben zu sein. Die Abzweigung in Richtung Verwaltung des Erbes haben sie nie gefunden, und so bewegen sie sich noch immer mit abenteuerlicher Leichtigkeit zwischen Kinderliedmelodien, ohrenbetäubend hypnotischen Lärmausbrüchen und den Harmonien der Beach Boys und schaffen ständig Unerwartetes. Dass Yo La Tengo sich wieder in diese Ecke Europas bewegen, war nach dem letzten Gastspiel mit inniger Sehnsucht erwartet worden.
Sehnsucht ist wohl eines der treibenden Motive von Nick Cave, der am 24. November mit seinen Bad Seeds den Wiener Gasometer bespielt. Der harte Blues des Nebenprojekts Grinderman bleibt im Abstellkammerl, und Cave kehrt mit der verschworenen Männerbande Bad Seeds wieder zu den Balladen zurück, die einen Gutteil seiner Popularität ausmachen. Nach der kurzen Festivaltour im Sommer ist zu erwarten, dass auch der „Ship Song“ wieder dorthin kommt, wo er hingehört: An das Ende eines denkwürdigen Konzerts.
Solche Konzerte zu ermöglichen ist das Ziel des alljährlichen Bluebird Festivals im Porgy & Bess, das heuer von 14. bis zum 16. November stattfindet. Mit Amanda Palmer, Adam Green und Edwyn Collins wurden Headliner verpflichtet, die nicht alle Tage im intimen Clubrahmen zu erleben sind. Besuche des großen Schotten Collins, der sowohl mit Orange Juice als auch solo große, kostbare Songs wie „Falling and Laughing“ oder „50 Shades of Blue“ schuf, sind selten und sollten als Feiertag begangen werden. Die Folgen eines Schlaganfalles hindern ihn zwar daran, die Gitarre in die Hand zu nehmen, aber diese einmalige Stimme ist wieder da. Sein Welt-hit „A Girl Like You“ war ihm mehr als vergönnt, doch hat Collins Dutzende Songs dieses Kalibers geschrieben, man denke nur an Nummern wie „Don’t Shilly Shally“, die immer das Herz wärmen. Sowohl Amanda Palmer als auch Adam Green werden mit akustischen Solosets für Einmaligkeit sorgen. Das überbordende Line-up findet sich auf www.songwriting.at.

