Dass das Album Fuzzman & the Singing Rebels (F&SR) nicht das ist, was man auf den ersten Blick glauben könnte, erschließt sich auf den zweiten: die mit Anzügen aus der Humana-Box bekleideten vier nicht mehr ganz jungen Herren erweisen sich nämlich als bewaffnet! Schlagstock, Messer und Eisenhacken tragen die Singin Rebels, Bandleader Fuzzman hat mit einer Knarre das größere Besteck im Anschlag. Damit bei blöden Fragen oder allzu aufdringlichen Fans keine Gefangenen gemacht werden müssen. Der perfekte Schwiegersohn-Look fungiert nur als Tarnung, er schlägt sich auch ein wenig mit dem lang sprießenden Haupthaar das drei der vier spazieren tragen. Diese Camouflage entspricht auch den Songs, die Naked Lunch-Bassist Herwig Zamernik mit den Herren Klammer, Gfrerrer und Stikar live eingespielt hat. Mehr als nur angedeutet wurde diese Entwicklung schon mit dem zur Karikatur übersteigerten „Spiel mir das Lied von der Liebe“ vom letzten Album, das es immerhin zum prominenten TV-Auftritt in der ORF-Reihe „Am Schauplatz“ geschafft hat.
Zum Teil schon schwer ins schlagerhafte lappende Stücke wie „Leb wohl Cherie“(das auch als Suizidschlager gelesen werden kann), „Totenglocken klingen anders“ oder das schunkelnde „Lady Cock & Mr. Bier“ inkl. Reprise mischen sich auf F&SR mit ganz anders klingenden Stücken. Da ist etwa die heftig rumpelnde Coverversion von „Jackson“, in der Zamernik und seine Lebensgefährtin Jutta Fastian lässig Hazlewood/Sinatra persiflieren, das sich gegen Ende der nur zwei Minuten zur Kakophonie aufschaukelt. Oder der kleine Disco-Block mit „Lady Sun & Mr. Moon“, in dem die etwas andere Art der käuflichen Liebe besungen wird (Jane Mary) und dem auf avancierte Konservenbeats gebauten „Right On“, das sich diffus mit Glaubensfragen befasst. Wie unschwer an den Titeln zu erkennen, geht es textlich Kraut und Rüben Deutsch und Englisch durcheinander, und die Textebene ist es auch, die jeden Gedanken an echten Schlager ad absurdum führt. „Nein ich brauche eure Liebe nicht/Und schon gar kein System/Ich scheiß auf euer Geld!“, singt der mit leiwander Singstimme ausgestattete Fuzzman eine honigsüße Melodie in „Dr. Feelbetter (od. mich fickt mein System)“. Er gibt in diesen Songs den Impersonator, der unentwegt die Genreregeln bricht. Durchwegs wunderbarer Backgroundgesang kommt von den Singin Rebels, die damit demonstrieren, dass sie nicht nur ihr Instrumentarium beherrschen. Im großen „Selbsthilfegruppe Nagelpilz“-Chor im letzten Stück singen sich neben den Rebels die Zamernik-Family inkl.funny fan Mama Zamernik, und noch einige mehr, frei. „Wir sind eins, zwei, drei alle dabei/Wir singen uns frei!“ F&SR, Fuzzmans viertes Soloalbum, ist ein hochsympathisches, im besten Sinn witziges und überraschendes Low-Fi-Opus, das vielseitig einsetzbar ist.

