Second Hand Star

Text: Günther Bus Schweiger | Fotos: Press

Als Macklemore und Ryan Lewis letzten September in Berlin auftraten, buchte der Veranstalter eine Halle für solide 1500 Besucher. Am 26.9. teilten dann 13.000 begeisterte Fans den Allzweckcharme der O2 Arena. Das Phänomen Macklemore entstand weitgehend unter Ausschluss der Medienöffentlichkeit, die nun nach aktuell 540 Millionen YouTube Klicks für den perfekten Hit „Thrift Shop“ verzweifelt den Anschluss sucht. Dabei ist die Botschaft des 31-jährigen Stars klar, eindeutig und sozialdemokratisch langweilig: Toleranz und persönliche Freiheit. Von sich verlangt Macklemore Nüchternheit. Der Sohn einer Sozialarbeiterin aus Seattle liebte schon immer die Bühne und ließ kaum eine Talentshow aus, um sich als Michael Jackson oder Chris Cross zu zeigen. Auf der High School (die auch Jimi Hendrix und Quincy Jones besuchten) fing er nicht nur an, Verse zu schreiben und zu rappen, sondern begann auch den Alkohol zu lieben. Es fing mit Wodka an, dann kam Gras dazu und wenn er damit Pause machte, standen Magic Mushrooms auf der Speisekarte. Laut eigener Aussage war er zu dieser Zeit jeden Tag high. Trotzdem schaffte er es auf ein staatliches College und sein Können entwickelte sich. 2005 veröffentlichte er das Album The Language Of My World, das ihm zu lokaler Berühmtheit verhalf. Die Nachfrage nach seinen wilden Liveshows war hoch, das erste Geld wurde verdient und zum Lebensstil gesellte sich auch noch Codein. Mit der Zeit ließ die Nachfrage nach Konzerten nach, das Geld war knapp, aber die Abhängigkeit blieb. Nach einem langen Gespräch mit seinem Vater entschied er sich 2008 für eine Therapie in einer Entzugsklinik. Seit dieser Zeit ist Macklemore bis auf kleine Ausrutscher nüchtern. Trotzdem ist der Schlüssel zum unvergleichlichen Erfolg wohl bei Ryan Lewis zu suchen. Macklemore ist der Mann der Worte, das soziale Gewissen und der sensible Ideologe, Lewis der Architekt des Erfolgs.

Er ist nicht nur Produzent, Beatfabrikant und brillanter Arrangeur, er ist auch Mastermind des wirtschaftlichen Konstruktes dahinter. Er hatte die Idee, „Macklemore LLC“ zu gründen und so nicht nur die Musik mittels eigenem Label zu kontrollieren, sondern auch das gesamte Merchandise selbst in Auftrag zu geben. Lewis gründete seine erste Firma mit 16, und hatte, auch wenn er fünf Jahre jünger als Macklemore ist, bereits genug Erfahrung um zu wissen, wie man im 21. Jahrhundert Geschäfte macht. Manager Zach Quillem meinte zum Thema Plattenfirmen: „Wir haben mit all diesen Verrückten gesprochen – es hat einfach nicht gepasst.“ Und so wurde ihr Album The Heist 2012 zum ersten Independent-Album an der Spitze der US-Charts seit 1996, wobei den Vertrieb eine Tochergesellschaft von Warner Brothers übernahm. Aber trotz aller Geschicklichkeit lebt Macklemore von seiner noch immer ungebrochenen Glaubwürdigkeit für alle Teenager. Diese ergibt sich aus dem Widerspruch, einerseits Menschen darin zu bestärken, sich anzunehmen, andererseits aus dem täglichen Kampf mit eigenen Dämonen. Der menschliche Star ist geboren.

Macklemore & Ryan Lewis sind am 13. August Headliner beim Frequency Festival in St. Pölten.

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