Vienna unlimited

Text: Günther Bus Schweiger | Fotos: Press
King Buzzo © Press

Das Popfest Wien hat seinen Platz gefunden. Die Verlegung auf Ende Juli im letzten Jahr war ein voller Erfolg und auch die Kunden des Musikvereins sind nun besänftigt. Auch inhaltliche und geografische Schranken wurden schon lange über Bord geworfen. Jetzt ist es noch immer ein österreichisches Popfest, das sich aber einer internationalen Beteiligung nicht mehr verschließt. Nach der stattgefundenen Konsolidierung der Veranstaltung stehen heuer die Zeiger sogar auf Expansion. Der von einschlägigen Festivals bekannte Red Bull Bandwagon ist jetzt auch beim Popfest im Einsatz und der gute alte Roxy Club wird heuer bespielt. Dazu wurde noch eine Kooperation mit dem MuseumsQuartier eingegangen.

Das Kuratorenduo Wolfgang Schlögl und Violetta Parisini hatte die Aufgabe, 11 Bühnen zu programmieren und reagierte auf die Herausforderung mit einem Programm, das nur zwei gemeinsame Nenner kennt: Qualität und Vielfalt. Der Eröffnungsabend auf der zentralen Seebühne (im Teich) bringt die einmalige Gelegenheit, den HipHop-Exportschlager Nazar mit der Bigband S.K.Invitational zu erleben, wobei auch Gastauftritte des britischen Rappers Black Twang und von Yasmo/Miss Lead eingeplant sind.

Gitarrenliebhabern wird eine Nacht im Brut gewidmet, die mit Bulbul, Villalog und vor allem Electro Guzzi und Radian so besetzt ist, dass ziemlich jede Anwendungsmöglichkeit der Stromgitarre bestaunt werden kann. Am anderen Ende des Spektrums werden auch die ehemaligen Popfest-Stammgäste Ernst Molden und Willi Resetarits wieder die Seebühne bespielen und ihr Wienbild mitten in der Stadt aufleben lassen.

Das Popfest ist auf dem Weg zur Institution und 60.000 Zuschauer im letzten Jahry sprechen eine deutliche Sprache. Zahlen sind aber nur eine Seite der Geschichte, was schlussendlich zählt, ist, ob die Chancen, die sich hier auftun, auch genutzt werden. Eines ist sicher: Vom 24.7. bis 27.7. hat im ansonsten eher verschlafenen sommerlichen Wien die Schlaflosigkeit wieder Hochsaison.

Ein Höhepunkt in jedem Sommer sind die Platzkonzerte im Hof des WUK. In entspannter Atmosphäre treten von 15.7. bis 13.8. beinahe täglich handverlesene Künstler auf, die beinahe alle musikalischen Spielarten abdecken. Höhepunkte sind sicher die Abende mit dem sträflich unterschätzten Songwriter Ripoff Raskolnikov am 24.7. und der Duoabend von Gottfried Gfrerer an der Gitarre und der immer umwerfend souveränen Mika Vember am 15.8. Aber wer die gewohnten Pfade verlassen will, der kann auch die italienischen Rabauken von Underdog oder den englischen Wahlwiener Boxer John erleben. Mehr Infos unter: www.wuk.at

Die HipHop-Liebhaber haben bei dieser Konzertankündigung gejubelt. Ghostface Killah, der Mann, der neben seiner Mitgliedschaft im Wu-Tang Clan auch als Solokünstler ein unvergleichliches Profil als begnadeter Geschichtenerzähler mit düsterer Weltsicht und musikalischen Visionen entwickelt hat, gibt sich am 18.7. in der Wiener Arena die Ehre. Die Frage, ob er den Breitbandsound des letzen Albums Twelve Reasons To Die, auch auf der Bühne einsetzt muss noch beantwortet werden, sicher ist, dass einer der großen HipHop- Stilisten hier seine Spuren hinterlassen wird.

Die Bright Eyes liegen einstweilen hinter ihm und für seine Solokarriere wollte sich Conor Oberst aus dem Americanaeck befreien. Aber er ist und bleibt ein Countryboy und schafft es auf seinem soeben erschienen Album Upside Down Mountain zwei Welten zu verbinden. Da erklingen auf einmal Calypsoelemente, fröhliche Bläsersätze und die Pedal Steel in einer derartigen Harmonie, dass es eine Freude ist. In seinen besten Momenten erinnert Oberst gar an die verblichenen, aber wunderbaren Mavericks. Nach seinem Auftritt am 13.8. beim Frequency Festival in St. Pölten, besucht er am 14.8. die Wiener Arena und auch wenn es in der Halle etwas wärmer werden sollte, wird die Stimmung mit den Temperaturen sicher mithalten.

Die Melvins kuratierten schon beim Donaufestival und sind Stammgast in diesen Breitengraden. Neu ist, dass King Buzzo, Kopf der Könige des zähen Gitarrenrocks mit seltsamen Themen, eine akustische Solotour unternimmt. Wie die Schwere der Melvins in den intimen und ruhigen Rahmen übertragen werden kann, wird am 4.9. in der kleinen Halle der Arena demonstriert. Eines ist nur jetzt schon sicher: Mit der klassischen Performance eines Singer/Songwriters wird der Auftritt von Buzzo wenig bis gar nichts zu tun haben.

In den Herbst getanzt wird mit Nina Sonnenberg, besser bekannt als Fiva, am 28.9. im WUK. Am Abschlussabend Ihrer „Alles leuchtet“-Tour werden Grooves, Beats, Witz und Haltung noch einmal diese einzigartige Mischung eingehen, die Fiva auszeichnet und die sie in den letzten Jahren auf so ziemlich allen Bühnen des deutschen Sprachraums perfektioniert hat. Dazu kommt natürlich der unvergleichliche Charme, der auch ihre Radio- und Fernseharbeit bei FM4, Zündfunk und ZDF Kultur auszeichnet. Auf jeden Fall kann dieser Konzertbesuch eventuellen Herbstdepressionen nachhaltig vorbeugen.

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