Auf der Couch

Text: Oliver Stangl | Fotos: Armin Rudelstorfer

Der Herbst steht also vor der Tür. Während sich bei den einen die Melancholie einschleicht, steigern sich bei den anderen die Depressionen bis hin zum Selbstmord. Es ist die Zeit, in der man mit hochgeschlagenem Mantelkragen durch graue, einsame Straßen geht und mitten im Gespräch zu Weinen beginnt. Wird man den nächsten Frühling, gar den Sommer, noch erleben? Als Soundtrack zu solchen Überlegungen bietet sich beispielsweise Leonard Cohen an, von dessen Alben es ja früher hieß, dass sie zusammen mit Rasierklingen verkaufen werden sollten. Nachdem der große Kanadier allerdings in den letzten Jahren inneren Frieden gefunden zu haben scheint, kann man, wenn man es aktueller mag, auch zur schwermütigen Musik des gebürtigen Australiers Scott Matthew greifen. Während es Ästheten vergönnt ist, Schönheit in der Trauer zu entdecken (das Herbstlaub schillert in den herrlichsten Farben, ehe es verwelkt) war der Herzschmerz für den 38-jährigen Matthew jedoch meist eher weniger schön – eine gescheiterte Beziehung nach der anderen soll gar zum kurzfristigen Verlust der Stimme geführt haben. Aber so ist das nun mal: Künstler müssen leiden, damit sie ein Werk schaffen und ihre Anhängerschaft damit erfreuen können. Um es mit Thomas Bernhard zu sagen: „Wenn es mir gut gehen würde, würde ich ja gar nichts schreiben.“ Dieses Jahr hat Matthew – als homosexueller Vegetarier zum Außenseitertum prädestiniert – mit „This Here Defeat“ sein bislang vielleicht melancholischstes Album vorgelegt. Wer darin Schönheit zu entdecken vermag, sollte es sich in den nächsten Monaten öfter anhören. Um so, vielleicht, bis zum Frühling durchzuhalten. Vom Sommer nicht zu reden.

 

| FAQ 34 | | Text: Oliver Stangl | Fotos: Armin Rudelstorfer
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