Noch bis 23. März ist Jim Dine, einem der unkonventionellsten lebenden Künstler, eine große Schau in der Albertina gewidmet. Die repräsentative Werk-Auswahl speist sich dabei aus einer großzügigen Schenkung des 1935 in Ohio geborenen Kunstschaffenden an das Museum. Dass Dine nicht selten zu den „Hauptvertreter der Pop-Art“ gezählt wird, bezeichnet die Albertina in einem Begleittext zur Schau (kuratiert von Klaus Albrecht Schröder und Constanze Malissa) als „Missverständnis“: „Wer wie Dine Alltagsgegenstände, und seien sie noch so sehr mit der eigenen Biografie verwoben, zu Assemblagen arrangierte, wurde in den frühen 1960er-Jahren fast zwangsläufig der Pop-Art zugeordnet. Die frühe Vorliebe für ,popular motives‘ wie das Herz, grellbunt und laut, oder das Sujet des trivialen Bademantels mussten Jim Dine unweigerlich in den Sog dieses amerikanischen Aufbruchs der Sechziger ziehen. Dazu kommt noch die Bewunderung des Künstlers für die Patres der Pop-Art, Jasper Johns, Robert Rauschenberg und Claes Oldenburg.“

Jim Dine, Untitled Tools (Portfolio of 9), 2009. Lithographie auf Papier.
ALBERTINA, Wien – Schenkung des Künstlers und von Diana Michener © Bildrecht, Wien 2024
Dine selbst lehnt solcherlei Kategorisierung und Ismen ab. Ein Markenzeichen des Künstlers, der sich als „zeichnender Maler“ versteht und Experimenten stets offen gegenüberstand, sind die Selbstporträts, die er in großer Anzahl anfertigte. Seitens der Albertina werden diese Bilder folgendermaßen interpretiert: „Jim Dine zeigt stets dasselbe ,Ich‘, dasselbe Gesicht, mit geringen emotionalen Variationen. Er setzt fast immer dieselbe Mimik auf: Sein Blick ist ernst. Jim Dine verkleidet sich nicht. Er spielt keine Rollen. Sie sind keine Autobiografie (…). Dines Selbstporträts sind vielmehr Studien jenes unveränderlichen Kerns des Charakters, der über alle Höhen und Tiefen, über alle Stürme, Krisen und Freuden des Lebens hinweg gleich bleibt.“ Ein spannender Genre-Zugang als konstante Selbstreflexion.
Dines gegenständliche Motive – neben dem berühmten Bademantel etwa Werkzeuge wie Hammer, Säge oder Zange – sind laut ihm selbst eine Vergegenständlichung seiner Gefühle.
In handwerklicher Hinsicht ist Dine stets innovativ, Druckverfahren wie Holzschnitt oder Lithografie entwickelte er weiter, indem er die Druckplatten und Holzblöcke mit der Kettensäge bearbeitete. Aber auch mit gewaltigen Skulpturen erregte er Aufsehen, etwa mit der elf Meter hohen Cleveland Venus vor dem Bundesgerichtsgebäude in Cleveland. In der Albertina bieten rund 400 Druckgrafiken, die zwischen 1970 und 2024 entstanden, Gelegenheit, den Kontinent Dine zu erkunden.
Jim Dine
ALBERTINA
8. November 2024 – 23. März 2024
www.albertina.at

