Wenn man sein neues Werk präsentiert, von seinen Songs überzeugt ist und noch dazu das erste Mal mit seiner Band auf der Bühne steht, ist man gut beraten, sich nicht in Bescheidenheit zu üben, sondern ein Ausrufezeichen zu setzen. Und genau das machte Leonie Schlager alias The Zew bei der Präsentation ihres Mini-Albums „Hazel Wants To Fly“. Das ausverkaufte Radiokulturhaus, ein jahrzehntelang bewährter wunderbarer Klangraum, sollte die Ehre haben, die Songs und die Band zu beherbergen. Die Präsentation wurde zum Triumph, vom zarten nervösen Anfang als Solistin bis hin zum breiten Finale mit einem Chor, in dem Freunde wie Leni Ulrich (Ex Bipolar Feminin) oder Marilies Jagsch den Songs einen wohl einmaligen, aber dafür umso beseelteren Rahmen gaben. Schon 2022 veröffentlichte The Zew ihr Debüt „1FI1FO“ und erreichte damit den Status des Geheimtipps, dessen Entwicklung mit großer Spannung verfolgen wurde. Auch die sechs aufgemalten Augen in ihrem Gesicht, die ein Symbol für den weiblichen Blick sind, prägten schon beim Erstling ihre Auftritte.
Die Songs auf „Hazel Wants To Fly“ holen ihre Inspiration aus dem Fliegen und Fallen und damit auch der Abenteuerlust, aber auch aus dem Kontrollverlust, dem man in der Luft ausgesetzt ist. Am Ende steht aber nicht nur eine einfache Landung, sondern eben auch ein gewonnenes Stück Resilienz, das nur durch Kooperation mit anderen ermöglicht wird. Die Einflüsse, die auf „Hazel Wants To Fly“ immer deutlicher werden, sind u. a. Soap&Skin (deren düstere und ausweglosen Anfänge The Zew aber nicht übernimmt) und das repetitive Riff, das einst Lou Reed, Maureen Tucker, John Cale und Sterling Morrison als The Velvet Underground zur ersten Meisterschaft geführt haben – und das dann in zahllosen Variationen Generationen von Bands geprägt hat, als Beispiel seien hier nur die grandiosen Feelies erwähnt. Das Drumming einer Maureen Tucker lebt hier im schlichtweg großartigen „No Target“ wieder auf. Der Song ist nicht nur der Höhepunkt der Flugkurve, er beschreibt auch den einmaligen Moment der Euphorie, der sich vor dem Eintauchen in unsere Sphäre breitmacht. Und wer sich beim Refrain „Break my fuckin’ bones, I’m not myself now“ nicht erweichen lässt, dem ist tatsächlich nicht mehr zu helfen.
Wer solche Songs schreiben kann, der kann der Zukunft entspannt entgegenblicken. Und uns bleibt die gespannte Neugier auf das weitere Schaffen.

The Zew
„Hazel Wants To Fly“
(Rock Is Hell, Numavi Records)

