Wenn man den Bandnamen Destroyer liest oder hört, wird man unweigerlich an eine der vielen Unterabteilungen des Metal denken – an Lederjacken und strenge Blicke in die Linse des Fotografen. Einigen wenigen werden Iggy Pop und die Stooges in den Sinn kommen, die sich mit „Search and Destroy“ eines von vielen Denkmälern gesetzt haben, oder an den Rücken von Henry Rollins, der den Slogan der Stooges noch immer auf seinem breiten Rücken trägt. All diese Annahmen führen aber auf den berühmten Holzweg, denn Destroyer ist das Projekt von Popbastler Dan Bejar, der es bereits im fernen 1995 ins Leben gerufen hat.
Die ersten Veröffentlichungen waren an der Grenze zur Unhörbarkeit, denn Bejar hatte einen Sound im Kopf, bei dem gestimmte Gitarren keine Rolle spielten – und so machte er von Anfang an seinem Image als Eigenbrötler alle Ehre. Vollkommen unbeirrt von Kritiken oder ausbleibender Popularität machte er immer weiter und hielt sich in keinem Genre lange auf. Er schrieb Pianoballaden, entdeckte nach einem Rockalbum auf einmal Midisounds und ließ diese das Album „Your Blues“ bestimmen. Da erzählte dann auch schon ein Song aus der Perspektive eines Riesenrades von dessen Flucht aus dem Freizeitpark. Was bei all den Haken in der Karriere immer konstant blieb, waren die großartigen Texte, die man am besten gar nicht entschlüsseln, sondern einfach genießen sollte. Mit der Zeit schaffte Bejar es in Late Night Shows, wurde zum Liebling von Pitchfork und eroberte ein Publikum, das bereit war, einem Künstler zu folgen, der mit jeder Platte für eine Überraschung gut war.
„Dan’s Boogie“ ist nun das neue Album von Destroyer – und natürlich hat es mit dem Vorgänger, der den Discorhythmen tief in der Nacht nachspürte, nichts gemeinsam. Mastermind Bejar suchte neue Wege, schrieb mit „Hydroplaning Off the Edge of the World“ den besten Pulp-Song seit „Disco 2000“ und gibt dabei natürlich auch souverän den besten kanadischen Jarvis Cocker aller Zeiten. Dass er seine Vorgänger gut kennt, beweist er auf „Cataract Time“, dem er die wunderbare Tonfolge von „Air À Danser“ des großen Penguin Cafe Orchestra gleich über acht Minuten zugrunde legt. Acht Minuten, bei denen man den Wolken, die langsam vorbeiziehen, zuschauen kann. Oder man stellt einfach sein Ego hintan, um die Wunder des Lebens zu genießen. Die ständige Wechsel ist Dan Bejars Mittel, um überall das zu suchen und zu kreieren, was ihn seit jeher antreibt: Schönheit. Und diese hat bekanntlich viele Gesichter.

Destroyer: „Dan’s Boogie“
(Merge Records)

