Film. Musik. Nostalgie. Sommer.

„Professione: Reporter“

Mit Langzeitprognosen ist das oft so eine Sache. Wenn man allerdings bereit ist, den meteorologischen Gerüchten zu glauben, steht uns ein langer, heißer Sommer bevor – Traumwetter für die Freiluftkinos. Eines der beliebtesten, nämlich das zum Filmarchiv Austria gehörige „Kino wie noch nie“, findet heuer zum 17. Mal im schönen Augarten statt. Die Stärke des 60 Abende umfassenden Programms ist der Mix aus Kult, Klassikern und Aktuellem.
Ein kleiner Kultfilm ist etwa Pretty in Pink (USA 1986), den Howard Deutch nach einem Drehbuch von Teeangerfilm-Auteur John Hughes (The Breakfast Club) drehte: Molly Ringwald gibt ein Mädchen aus einfachen Verhältnissen, das mit einem wohlhabenden Jungen (Jon Cryer) eine Beziehung eingeht, aber von dessen Umfeld aufgrund des Klassenunterschieds angefeindet wird. Ein Film wie eine schöne Eighties-Zeitkapsel, in der Romantik, Humor und soziale Fragen einen unterhaltsamen Mix ergeben; der Soundtrack umfasst Bands wie OMD, New Order oder The Psychedelic Furs. Ein anderer Teenager-Film lässt sich musikalisch ebenfalls nicht lumpen: Die Highschool-Komödie Fast Times at Ridgemont High (Amy Heckerling, 1982), in der Sean Penn und Jennifer Jason Leigh noch blutjung und unbekannt sind, hat auf der Tonspur u. a. The Cars, Tom Petty oder Donna Summer zu bieten. Eine weitere Zeitkapsel mit legendärem Soundtrack „Reality“ ist La Boum – Die Fete (Claude Pinoteau, F 1980). Mit der Rolle einer Teenagerin in Liebesnöten schaffte Sophie Marceau den großen Durchbruch. Bleiben wir bei jungen Leuten, wechseln aber zu Horror (sort of): Rob Reiners Stephen-King-Verfilmung Stand By Me (1986) ist nicht nur eine Coming-of-Age-Geschichte um vier Buben (u. a. River Phoenix), die bei der Suche nach der Leiche eines verunglückten Jungen das „Abenteuer Freundschaft“ erleben, sondern vermittelt auch, wie man sich in den Eighties die Fifties vorstellte – eine doppelt nostalgische Zeitkapsel. Auch hier passt der Soundtrack. Und mit James Wongs Final Destination (2000; die Reihe erfuhr heuer ein spätes Sequel) zeigt man einen Klassiker jenes Teenager-Horrorbooms, der rund um das Millennium Kasse machte. Die Story um eine Schülergruppe, die einen Flugzeugabsturz überlebt und daraufhin von Gevatter Tod verfolgt wird, der sich nicht um seine Seelen betrügen lassen will, ist mittlerweile auch schon ein Zeitdokument. Der Soundtrack: schön creepy.

„Pulp Fiction“

„Nashville“

Einen der berühmtesten Soundtracks überhaupt zu bieten hat Tarantinos Pulp Fiction (1994), einer der großen Neunziger-Meilensteine. Musik liegt generell in der Augartenluft, denn wie immer gibt es Stummfilme mit Live-Musikbegleitung. Diesmal steht u. a. Karl Lamacs Saxophon-Susi (D 1928) am Programm, der im jazzigen Berliner Nachtleben spielt und vom Trio Fial/Janka/Pruckner vertont wird. Auch höchster künstlerischer Anspruch lässt sich finden: Dazu gehören Michelangelo Antonionis Professione: Reporter, in dem Jack Nicholson versucht, seiner schal gewordenen Existenz zu entkommen und Robert Altmans zwischen Drama, Komödie und Musical changierendes Gesellschaftspanorama Nashville, das nicht weniger als 24 Charakteren folgt (auch hier ist Musik Trumpf). Zwei der besten Filme des Jahres 1975. Oder sagen wir: der Siebziger. Na gut: der Filmgeschichte. An aktuellen Werken sind etwa die Oscarfilme Anora (R: Sean Baker) und Perfect Days (R: Wim Wenders) mit dabei, und auch für Freunde des österreichischen Films ist gesorgt.

 

Kino wie noch nie
Open Air Augarten – bis 24. August 2025
www.filmarchiv.at

 

 

| | Text: Oliver Stangl
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