Zwischen Glamour und Wahrheit

Bruce Weber gehört zu den erfolgreichsten US-Fotografen der letzten Jahrzehnte. Ein Prachtband widmet sich Leben und Werk des Künstlers

Brus Weber, Kate Moss, Miami, Florida, 2003 © Bruce Weber

Glamour mit höchstem künstlerischem Anspruch zu verbinden, gelingt nur wenigen Fotografen. Bruce Weber ist einer von ihnen: In seinem Schaffen gehen Glanz, Erotik, Tiefgang und Unmittelbarkeit eine ganz besondere Beziehung ein. Weber, der 1946 in Greensburg, Pennsylvania, das Licht der Welt erblickte, fasste spätestens in den 1970er-Jahren im Bereich der Modefotografie Fuß – das Männermagazin GQ hievte viele seiner Aufnahmen aufs Cover. Nan Bush, Webers Frau und Agentin, war es schließlich, die für einen weiteren Durchbruch sorgte – und für einen wahren Geldregen: Sie verschaffte Weber einen Vertrag mit den Federated Department Stores (später bekannt als Macy’s), in deren Diensten er 1978 den kompletten Versandkatalog des Luxuskaufhauses Bloomingdale’s fotografierte.

Bruce Weber, Leonardo DiCaprio, Coney Island, New York, 1994 © Bruce Weber

Bald ging es die Karriereleiter noch rasanter nach oben, denn kein Geringerer als Designer Calvin Klein engagierte Weber in den Achtzigern für eine mittlerweile legendär gewordene Unterwäschekampagne. Die Schwarzweißfotos – u. a. von einem nackten Mann und einer nackten Frau auf einer Schaukel – sorgten für Aufsehen; von nun an war der Name Bruce Weber auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt. (Übrigens wurde der heutige Hollywoodstar Mark Wahlberg – damals noch als Rapper Marky Mark unterwegs – unter anderem durch Webers Aufnahmen in CK-Unterwäsche populär.)

In Webers Stil verbinden sich Eleganz und Sinnlichkeit: Das häufig eingesetzte Schwarzweiß ist klassisch und schlicht, frei von barockem Brimborium; natürliches Licht und Bewegung verleihen den Bildern eine ungeheure Authentizität. Während Weber einerseits oft athletische Körper in erotischem Kontext zeigt, lassen sich in anderen Serien Anspielungen auf die ikonische Bilderwelt Amerikas finden – vom Cowboy über das Familienidyll bis hin zur Weite der US-Landschaft. Dieser „All-American“-Look kommt besonders bei Kampagnen für Abercrombie & Fitch und Ralph Lauren zum Tragen. Aber auch als Reisefotograf war Weber unterwegs; so bereiste er etwa Vietnam oder Südafrika und hielt seine Eindrücke in unmittelbaren Schnappschüssen fest.

Bruce Weber, David Bowie, Cape Town, South Africa, 1995 © Bruce Weber

Dass ein Fotograf nicht automatisch auch ein guter Filmemacher ist, versteht sich von selbst – handelt es sich doch um zwei grundlegend verschiedene Medien. Doch Weber beherrscht beides: 1988 erschien Let’s Get Lost, ein dokumentarisches Porträt des legendären Jazztrompeters Chet Baker. Die Studie des komplexen Künstlers, der vier Monate vor der Veröffentlichung des Films verstarb, erhielt eine Oscarnominierung sowie den Kritikerpreis in Venedig. Weitere Filme Webers beschäftigen sich unter anderem mit Wrestlern oder Modeikonen; zudem inszenierte er Musikvideos für Künstler wie die Pet Shop Boys oder Chris Isaak …

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der Printausgabe des FAQ 81

 

Bruce Weber. My Education
Taschen, Hardcover, 24.3 x 35.5 cm, 3.34 kg, 
564 Seiten, Euro 125
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| FAQ 81 | | Text: Oliver Stangl
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