Mitten ins Gesicht

Vom Geheimtipp zur Festival-Sensation: Wet Leg melden sich mit „Moisturizer“ zurück – bissig, laut und überraschend emotional. Warum das zweite Album mehr ist als ein Befreiungsschlag – und der Beweis, dass sie gekommen sind, um zu bleiben.

Foto: Alice Backham

Der Beitrag der südlich von Southampton gelegenen Isle of Wight zur globalen Popgeschichte war bislang recht bescheiden. Bassist Mark King und seine Band Level 42 konnten zwar mit Hits wie „Lessons in Love“ kurz am Weltruhm schnuppern, doch die Coolness-Werte seiner Band bewegten sich bereits 1987 nur knapp über der Nulllinie.
Das genaue Gegenteil repräsentiert Robyn Hitchcock: In Songwriter-Kreisen genießt er absoluten Kultstatus, der kommerzielle Erfolg blieb ihm jedoch stets verwehrt. Die beiden älteren Herren waren – neben Schauspieler Jeremy Irons – lange Zeit die popkulturellen Aushängeschilder der Insel.

Das änderte sich 2021: In diesem Jahr nahmen Rhian Teasdale und Hester Chambers als Wet Leg den Song „Chaise Longue“ auf. Nach zwei Jahren auf diversen Kleinbühnen gewannen sie das Vertrauen der Indiegröße Domino Records – und das war der Beginn einer wundersamen Erfolgsgeschichte.

Foto: Alice Backham

Die Chance für den ersten Eindruck hat man nur einmal. Und nach all den Lockdowns, den damit verbundenen persönlichen Krisen und Erschöpfungszuständen fing der Song die Gefühle der letzten Jahre perfekt ein: einfach immer nur auf der Couch herumhängen und warmes Bier trinken – vorgetragen mit einer rotzigen Selbstverständlichkeit und einem magischen Gitarrenriff, das den Durchmarsch des Songs fast zwangsläufig machte.

Harry Styles outete sich bald als Fan und nahm sie für den europäischen Teil seiner „Love On Tour“ als Supportact mit an Bord. Damit spielte die Band in ausverkauften Stadien vor insgesamt einer Million Menschen – Menschen, die eigentlich auf Harry Styles warteten. Doch Wet Leg reiften als Band, und das ist nun auf dem zweiten Album „Moisturizer“ zu hören. Die Livemusiker sind inzwischen offizielle Bandmitglieder, und die Songs stehen unter einer klaren Überschrift: Wir sind gekommen, um zu bleiben.

Rhian Teasdale und Hester Chambers, Foto: Iris Luz

Dabei war der Weg dahin alles andere als leicht. „Alle redeten ständig vom ,schwierigen zweiten Album‘, und das hat mir – ganz persönlich – schon ein bisschen Angst gemacht“, sagt Rhian Teasdale. Sie sei jemand, der sich mit dem Anfang schwer tue. Aber sobald die ersten Demos standen, sei alles ganz natürlich geflossen – und am Ende habe es richtig Spaß gemacht.

Diesen Spaß hört man den neuen Songs an. Gleichzeitig zeigt „Moisturizer“ mehr Facetten; zwischen Wut, Verletzlichkeit und einer ordentlichen Portion sarkastischem Humor pendeln die Tracks. „Ich schreibe nicht mit einem konkreten Thema im Kopf“, so Teasdale. „Meist schreibe ich einfach, wie ich mich gerade fühle. Mal bin ich über beide Ohren verliebt, mal wütend.“ Vieles davon sei intuitiv, fast unbewusst – aber gerade deshalb so authentisch …

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der Printausgabe des FAQ 81

 

WET LEG: MOISTURIZER (Domino)
Wet Leg live: 7. November – München, Neue Theaterfabrik;
9. November – Berlin, Columbiahalle;
10. November – Hamburg, Docks

 

| FAQ 81 | | Text: Günther Bus Schweiger
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