Island und seine Exporte sind schon ein interessantes Phänomen. Björk, der wir am 21. November zum Sechziger gratulieren dürfen, hat sich ein eigenes Genre erschaffen, das nur sie in allen Verkleidungen, Wendungen und musikalischen Ausfallschritten bespielen kann. Sie wurde früh von der isländischen Punkszene sozialisiert, tourte mit den Anarchisten von Crass und entwickelte aus diesen Erfahrungen ihren ureigenen kreativen Planeten mit vielen verschiedenen Kontinenten, die nur eines gemeinsam haben: Sie wurden alle von Björk erdacht.

Laufey © Emma Summerton
Laufey scheint eine andere Vision zu haben. Die Tochter einer Violinistin des Symphonieorchesters der Hauptstadt Reykjavik lernte mit vier Jahren Klavier, ihr riesiges Talent war bald offensichtlich. Nachdem sie das Cello für sich entdeckt hatte, schloss sie ihr Studium in Boston am Berklee College of Music ab. Sie nahm an der isländischen Version von „Starmania“ teil – und gewann nicht. Ungefähr zu dieser Zeit fasste sie den Entschluss, dass es ihre Mission sei, den Jazz ihrer Generation, der Generation Z, schmackhaft zu machen.
Ihre Version von Jazz hat dabei sehr viel mit dem American Songbook und Protagonisten wie Dinah Washington, Cole Porter, Hoagy Carmichael und den großen Nachtklubs der fünfziger Jahre zu tun – und nichts mit John Coltrane, Miles Davis oder auch Carla Bley. Diese Auslegung ist nur folgerichtig, denn die Generation Z ist bekannt für ihre Affinität zu psychischer Labilität. Hier bietet Laufey das ideale Gegenmittel: Stabilität. Man kann sich auf die Sanftheit der Songs und das Verständnis für die allgemeine Fragilität absolut verlassen. Die Leichtigkeit und Ironie einer Vorgängerin wie Norah Jones, die sich durchaus in Richtung Country öffnete, bleibt bei Laufey außen vor, denn Liebe ist für sie ein ernstes Thema.
Mit dieser ureigenen Vision – und den visuellen Ideen ihrer Zwillingsschwester – traf sie von Beginn an den Nerv ihrer Generation, die die Streamingzahlen in lichte Höhen trieb. Laufey wurde vom Wunderkind zum Weltstar.
Dieser Tage erschien ihr drittes Studioalbum und viertes Album insgesamt: Auf „A Matter of Time“ bleibt sie ihrem Weg und dem Balladenfach treu. Doch ganz langsam und sanft bewegt sich ihre Musik in Richtung Mainstream; die Stilelemente ihres Jazz, der die ersten Platten prägte, werden oft zu Spurenelementen, der Soundkosmos öffnet sich in Richtung einer Lana Del Rey.
Im Rahmen ihrer gerade angekündigten Tour macht Laufey Ende Februar in der Wiener Stadthalle Station.
Laufey: „A Matter of Time“, Sony
Live: 24. Februar 2026 – Berlin; 26. Februar – Wien; 2. März – Paris

