Der Löwe von Florenz

Der Ferrari unter den Kaffeemaschinen: Die Geschichte von La Marzocco – die Florentiner Manufaktur, die mit Leidenschaft und Präzision den modernen Espresso neu erfand.

La Marzocco „Linea Mini R“ mit La Marzocco „Pico Mühle“

Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus gewöhnlichem Kaffee plötzlich Espresso wird, ahnt niemand, welche Kulturtechnik sich daraus entwickeln wird. Das Getränk, nun frisch „à la minute“ bereitet, wird zum Versprechen moderner Geschwindigkeit und zum Star unzähliger Reklamen. Auch in Florenz, der Stadt der Renaissance, entzündet sich die Fantasie an diesem neuen „schwarzen Gold“.
Dort führt der junge Maschinenbauer Giuseppe Bambi eine bescheidene Werkstatt. Der Unternehmer Ascanio Galletti beauftragt ihn mit einer Espressomaschine mit zwei Brühgruppen: der Fiorenza. Galletti lässt die Vermarktung bald fallen – doch Bambi erkennt das Potenzial. Gemeinsam mit seinem Bruder Bruno gründet er 1927 die Officine Fratelli Bambi. Auf der Spitze der Maschine thront der Löwe von Florenz: La Marzocco ist geboren, eine kleine Werkstatt mit großen Ambitionen in einer Stadt, die seit Jahrhunderten vom Mut zur Innovation lebt.

Piero Bambi

„Man kann Technik lernen“, sagt Piero Bambi später, „aber Leidenschaft entsteht erst durch Hingabe und Respekt.“ Dieses Credo prägt das Verhältnis der Brüder zu ihren Kunden – und erklärt, warum sie ihre Maschinen unablässig weiterentwickeln. 1939 meldet Giuseppe ein Patent für einen horizontalen Kessel an. Damit wird Espresso ergonomischer, effizienter, ein Genuss mit System. Der Zweite Weltkrieg unterbricht die Arbeit; das Patent läuft aus. Doch die Idee setzt sich durch und wird zum Branchenstandard.
Nach dem Krieg beginnt die Ära der Hebelmaschinen: 14 bar Druck, Crema auf dem Espresso, nationale Ikone. Die Bambis bauen ihre eigene Serie und treffen den Nerv einer Gesellschaft, die sich nach Aufbruch sehnt. 1961 bringt die volumetrische Pumpe Stabilität in den Extraktionsdruck – und die Brüder eröffnen eine neue Manufaktur auf den Hügeln nördlich von Florenz. Maschinenbau und Schreinerei zur Herstellung von Bar-Möbeln unter einem Dach.

La Marzocco Olimpia (1956–58)

Giuseppe Bambi bei der Eröffnung der neuen Manufaktur im Jahr 1961

1970 folgt ein weiterer Meilenstein: das Modell GS, die erste Maschine mit Doppelkessel und gesättigten Brühgruppen. Sie ermöglicht eine Temperaturstabilität, die den Espresso berechenbar macht – und damit reproduzierbar auf höchstem Niveau. Für viele Baristas wird sie zum Werkzeug, um ihre Kunst erstmals mit chirurgischer Exaktheit zu üben.
Als 1995 amerikanische Partner einsteigen, beginnt eine neue Phase: Die Marke wächst langsam, aber zielstrebig, begleitet von Barista-Weltmeistern, die La Marzocco zum Synonym für Präzision machen. Von 2000 bis 2008 ist das Unternehmen offizieller Sponsor der World Barista Championships – ein Ritterschlag für die junge Spezialitätenkaffee-Szene, die beginnt, sich selbst als Handwerk und Wissenschaft zugleich zu begreifen. 2009 zieht die Firma nach Scarperia um. Dort entsteht die Strada, eine Maschine, entwickelt im Dialog mit Baristas und Technikern – ein demokratischerer Maschinenbau, der die Branche verändert.
2015 folgt die Linea Mini, die Essenz einer Profimaschine für die heimische Küche. 2022 erscheint die Linea Micra, ein ultrakompaktes Versprechen an alle, die zuhause denselben Espresso trinken wollen wie in ihrer Lieblingsbar. Die Linea Micra erreicht ihre ideale Brühtemperatur in nur fünf Minuten; dazu fügt sich die Pico-Espressomühle – präzise im Mahlgrad, intuitiv in der Handhabung – nahtlos in das tägliche Kaffeeritual ein.

La Marzocco „Linea Mini R“

So steht der Löwe von Florenz heute nicht nur für handwerkliche Tradition, sondern für ein Jahrhundert italienischer Ingenieurskunst – und für die fast zärtliche Beziehung zwischen Mensch, Maschine und einer Tasse Kaffee, die mehr ist als ein Getränk: ein tägliches Stück Kultur.

www.lamarzocco.com

 

| FAQ 83 | | Text: Magdalena Blaszczuk
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