Die neue Taschenkollektion von Merryl Tielman wirkt wie eine Studie über Balance – zwischen Strenge und Bewegung, Objekt und Begleiter. Statt sich an offensichtlichen Trends zu orientieren, scheint jede Form aus einem längeren Prozess des Beobachtens hervorgegangen zu sein. Linien erinnern an architektonische Schnitte, Volumen entsteht durch Faltungen, die fast beiläufig wirken und doch präzise kalkuliert sind. Die Taschen stehen aufrecht, kippen leicht, öffnen sich unerwartet – kleine Gesten, die ihre skulpturale Herkunft verraten.
Merryl Tielman arbeitet und lebt in Amsterdam, wo sie ursprünglich audiovisuelle Kunst studierte. Während ihrer Ausbildung zur Schuhmacherin entdeckte sie ihre Leidenschaft für Leder. In der Gestaltung von Taschen fand sie schließlich eine Form, ihre künstlerische Vision auszudrücken. Ihre Entwürfe entstehen im Dialog zwischen Material, Körper und Raum – weniger dekoratives Objekt als bewusst gestalteter Begleiter. Heute arbeitet Tielman an der Schnittstelle von Design und Handwerk und verfolgt einen Ansatz, der auf Langlebigkeit, Reduktion und formale Präzision setzt.

Foto: Krista van der Niet
Auffällig ist die Reduktion: Verschlüsse bleiben zurückhaltend, Details treten erst beim Näherkommen hervor. Eine Tasche wirkt zunächst minimal, entfaltet jedoch im Gebrauch ihre Komplexität. Griffe verschieben Proportionen, Nähte definieren Rhythmus, und die Silhouette verändert sich, je nachdem, wie sie getragen wird. Es sind Entwürfe, die Bewegung zulassen, ohne ihre Form zu verlieren. Material spielt dabei eine zentrale Rolle. Pflanzlich gegerbtes Rindsleder bildet die Grundlage der Kollektion – ein Werkstoff, der nicht makellos sein will, sondern lebendig. Bei der pflanzlichen Gerbung, einem traditionellen Verfahren, werden natürliche Tannine aus Pflanzen wie Birke und Mimose verwendet. Mit der Zeit dunkelt die Oberfläche nach, kleine Spuren entstehen, die jede Tasche individueller machen.
Produziert werden die Modelle in einer familiengeführten Manufaktur im italienischen Veneto, wo handwerkliche Präzision auf experimentelle Konstruktion trifft. Die Zusammenarbeit ermöglicht es, ungewöhnliche Schnitte und anspruchsvolle Details umzusetzen, ohne die Leichtigkeit der Formen zu verlieren. Das Ergebnis sind Taschen, die weder laut noch nostalgisch wirken – vielmehr sind es stille Statements für Menschen, die Dinge lange behalten möchten.
Qualität entsteht dabei nicht nur durch Form, sondern auch durch nachvollziehbare Herkunft und verantwortungsvolle Verarbeitung. Das verwendete Leder ist bio-basiert zertifiziert und erfüllt anerkannte ökologische Standards.

