Der Verführer

Zwischen Weill und Wirklichkeit. Mit „Wainwright Does Weill“ kehrt Rufus Wainwright zu den Liedern einer vergangenen Epoche zurück – und findet darin überraschend viel Gegenwart.

Rufus Wainwright, Foto: Julien Benhamou

Ein Gespräch über Inspiration, politische Zwischentöne und die Frage, was ein Song heute noch erzählen kann. Anfang April ist Rufus Wainwright im Wiener Burgtheater zu erleben.

Drei Releases allein 2025 – „Requiem“, „Opening Night“ und „Wainwright Does Weill“. Sind Sie gerade im kreativen Overdrive, oder hat sich das einfach so ergeben?

Rufus Wainwright: Im Grunde … ja. Nach der Pandemie war ich einfach unglaublich produktiv. (Lacht.) Ich glaube, nach dieser Veröffentlichung wird es wieder ruhiger. Sie haben mich gerade auf einem Hoch erwischt. (Kichert.) Aber es wird wieder normal.

Vergangenes Jahr im Januar sagten Sie, Sie seien auf dem Höhepunkt Ihres Könnens. Können Sie Dinge inzwischen in Ihrem eigenen Tempo machen?

Ich … also, vermutlich. Ich würde sagen, mein eigenes Tempo wäre wahrscheinlich weniger … weniger hektisch. Aber meine kreativen Säfte scheinen einfach zu fließen, ohne dass ich viel dafür tun muss. Also … Hilfe.

Rufus Wainwright, Foto: Julien Benhamou

Warum Kurt Weill – und warum gerade jetzt?

Ja, also, dieses Projekt war in vielerlei Hinsicht völlig unerwartet – in dem Sinne, dass ich … ich hatte eine Woche lang Shows im Carlyle Hotel gemacht. Und im Grunde habe ich mich entschieden, Kurt-Weill-Songs zu singen, wissen Sie, weil das bei diesen Shows in Manhattan so eine Cabaret-Atmosphäre hat. Also kannte ich viele der Songs schon. Und dann hat mich das Pacific Jazz Orchestra wegen eines Konzerts kontaktiert. Und dann sagte ich: „Na ja, wenn ich all diese Kurt-Weill-Songs kenne, warum machen wir nicht das?“ Und sie sagten okay. Und dann fand Christopher Walden, der Dirigent – ein Deutscher –, die Idee gut. Dann haben wir die Show gebucht. Und dann sagten wir: „Lassen Sie uns das aufnehmen, einfach für den Fall, dass es gut klingt.“ Und ich bin hingegangen, und es klang großartig. Und so ist das Album herausgekommen. Also das war alles ziemlich zufällig – was, wie ich finde, oft der Fall ist bei guten Projekten.

Was fasziniert Sie an ihm? Was macht ihn zum Genie? Seine Musik wirkt bis heute relevant.

Ja, ich glaube, er hatte diese perfekte Mischung aus „soft und hard“ – in dem Sinne, dass seine Melodien so schön sind, so lyrisch, man kann sie summen, wissen Sie, musikalisch auf so vielen Ebenen. Und gleichzeitig gibt es dieses harte, kantige Deutsche bei ihm. Es ist diese sehr gelungene Mischung aus beiden Qualitäten. Und außerdem gibt es viel … wie sagt man … viel Aktualität in seinem Werk, die mit heute korrespondiert – mit dem Aufstieg von Faschismus und Nationalismus und Rassismus und all dem. Es kommt einem leider sehr vertraut vor …

Lesen Sie das vollständige Interview in der Printausgabe des FAQ 84
Interview: Peter Reynolds / The Interview People

BURG IN CONCERT: Rufus Wainwright
Live Im Burgtheater, 5. April 2026, 20 Uhr
www.burgtheater.at

 

| FAQ 84 | | Text: Peter Reynolds
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