Spätestens ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dominierte die Supermacht USA den visuellen Diskurs der westlichen Welt. Dazu trugen neben Holly-woodfilmen, TV-Serien und Kunstströmungen wie Pop Art auch die Massenmedien und die solcherart verbreitete Werbung bei. Das dynamische Land mit den endlosen Weiten war stets geschickt darin, den eigenen Mythos für kommerzielle Zwecke einzuspannen: Der Wilde Westen und das damit verbundene Versprechen von Freiheit fand etwa in den berühmt-berüchtigten Cowboy-Werbungen der Zigarettenmarke Marlboro enorme Verbreitung. Hier setzt der New Yorker Künstler Richard Prince, Jahrgang 1949, an, der sich kritisch mit dieser Form kommerzieller Aneignung befasst. Der Amerikaner zählt zu den prononciertesten Vertretern der Appropriation Art – jener Kunstgattung, die den Akt des Kopierens in den Mittelpunkt stellt und dadurch neue Kontexte kreiert.
Die Albertina widmet dem Künstler eine umfangreiche Ausstellung (Kurator: Walter Moser), die Werke von den 1970er-Jahren bis in die Gegenwart zeigt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Fotografie, neben bekannten Serien sind auch selten oder nie gezeigte Werke in Wien zu sehen. Als „analytisch und verführerisch“ zugleich bezeichnet die Albertina dabei die Werke an der Schnittstelle zwischen Fotografie, Malerei und Skulptur.

Richard Prince, Untitled (Fashion), 1982-1984. C-Print, 152,4 x 101,6 cm. Courtesy of Richard Prince Studio © Richard Prince
Für Prince, dessen Eltern nach Eigenangaben für die US-Regierung arbeiteten, war der abstrakte US-Künstler Jackson Pollock so etwas wie ein künstlerischer Urknall. Allerdings stand dabei nicht nur dessen Arbeit im Zentrum, sondern das Image des Künstlers selbst, so Prince: „Mich reizte die Vorstellung von jemandem, der für sich war – ziemlich ungesellig, ein Einzelgänger, jemand, der nicht mit anderen zusammenarbeitete.“
Zu Princes frühen Arbeiten gehört die Fotoserie „The Magic Castle“, das von einer Studienreise durch Europa Ende der sechziger Jahre inspiriert wurde. Touristische Motive von Paris bis Wien, die es in Souvenirshops zu kaufen gab, mischte Prince mit eigenen Arbeiten: Dabei stellte sich heraus, dass seine Fotos kaum von den Motiven der Tourismusindustrie zu unterscheiden waren. So kamen bereits Fragen der künstlerischen Urheberschaft auf, die Prince in den folgenden Jahren noch oft beschäftigen sollten. Ebenfalls zum Frühwerk zählen die „Gray Folders“, in denen Schnappschüsse zu Collagen kombiniert werden. Durch künstlerische Strategien wie Übermalungen, der Kombination von Bild und Text oder der Kombination von Bildfragmenten „löst Prince die scheinbare Geschlossenheit des Einzelbildes auf und macht die Konstruktion von Bedeutung sichtbar“, wie es in einem Begleittext der Albertina heißt.

Richard Prince, Untitled (Cowboy), 1999. Ektacolor-Fotografie, 218,4 x 121,9 cm. Courtesy of Richard Prince Studio © Richard Prince
Zu jenem Stil, für den Prince schließlich berühmt werden sollte, fand er auch ein wenig durch Zufall: Als er in den Siebzigern beim New Yorker Verlag Time Life arbeitete (Prince wurde in der Panamakanalzone geboren und zog später nach New York), gehörte es zu seinen Aufgaben, Artikel und Editorials aus Magazinen herauszuschneiden. Übrig blieben Werbebilder, die beispielsweise Produkte wie Uhren, Schmuck oder Interieurs zeigen. Prince refotografierte derlei Motive, vergrößerte, verkleinerte, entfernte Logos und Bildunterschriften. Damit befreie er die Bilder von ihrer „ursprünglichen kommerziellen Funktion“, so die Albertina: „In der Wiederholung ähnlicher Inszenierungsformen macht Prince nicht nur die Künstlichkeit der Darstellung sichtbar, sondern auch die visuellen Codes, die unsere Wünsche und Bedürfnisse adressieren und erzeugen.“
Seine ersten Erfahrungen mit dem Abfotografieren beschrieb Prince in einem Interview so: „Anfangs war es ziemlich gewagt. Ein fremdes Foto zu plagiieren und mühelos ein neues Bild zu erschaffen. Die Belichtung, der Blick durch die Linse und das Auslösen (…) Eine völlig neue Geschichte ohne die alte. Es zerstörte jegliche Assoziationen, die ich vom Zusammensetzen von Dingen hatte. Und natürlich die ganze Sache mit der Selbstverständlichkeit, mit der der Film sich Dinge aneignet. Ich dachte immer, das wäre eine Art von Trotzreak-tion.“ 1980 fand Princes erste Soloausstellung statt (CEPA Gallery, New York), 1981 folgte eine weitere in Los Angeles (Jancar Kuhlenschmidt Gallery) – der Ruhm des Künstlers nahm also stetig zu …
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ALBERTINA
Richard Prince
noch bis 16. August 2026
www.albertina.at

