Auf der Couch

Text: Oliver Stangl | Fotos: Armin Rudelstorfer

Was wäre Popmusik ohne die Überschreitung von Geschlechtergrenzen? Im Mainstream durch Genres wie Glam Rock und Künstler wie David Bowie etabliert („She’s not sure if you’re a boy or a girl“), ist das Spiel mit Identitäten nach wie vor eine populäre Sparte im Musikgeschäft, wovon auch der letztjährige Song-Contest-Triumph Conchita Wursts zeugt. Während beim talentierten Perfomer Tom Neuwirth alias Wurst allerdings das Medium die Botschaft ist und die Musik eher zweitrangig erscheint, geht beim Wiener Patrick Weber auch künstlerisch einiges weiter: Unter dem Bühnennamen Crazy Bitch in a Cave bezaubert er sowohl mit seiner Performance als auch mit seinen Songs. Dass dabei zunächst einmal das Äußerliche auffällt, geht absolut in Ordnung – denn einerseits darf eine gewisse Oberflächlichkeit im Pop ja sein und andererseits handelt es sich bei Crazy Bitch in a Cave um ein Gesamtkunstwerk. Mit Nagellack, Wimperntusche, High Heels, selbst entworfenen Kleidern und einer imposanten Haarpracht macht die Bitch ordentlich etwas her. Und die Musik – 2011 erschien das Album Particles, das Elektronik, Disco und tragisch-sehnsüchtigen Balladen verband – ist als intensiv zu bezeichnen. Nicht zuletzt lohnt es sich wegen der markanten Falsettstimme des Künstlers, der auch als akademischer Maler tätig ist, Ausschau nach einem Crazy-Bitch-Live-Konzert zu halten. Das Shooting im Queens Club kurz vor einem Auftritt machte Weber übrigens derart großen Spaß, dass Armin Rudelstorfer den Künstler regelrecht stoppen musste – sonst wäre dieser noch zum eigenen Konzert zu spät gekommen. Crazy Bitch in a Cave liegt das Performen eben im Blut, egal ob auf der Bühne oder auf der Couch.

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