Bühnen unter Spannung

Text: Günther Bus Schweiger | Fotos: Press
Palma Violets © Tom Beard

HipHop ist die aktuelle globale Konsensmusik und während der Indiepop in seiner Ecke dahindämmert, wird HipHop aus allen Ecken mit frischen Ideen befeuert. Watsky kommt eigentlich aus der Slam Poetry Szene in San Francisco und hat sich als bleichgesichtiger Nerd langsam aus diesem Umfeld in Richtung HipHop verabschiedet. Sein erstes Album veröffentlichte er auf seiner Website und endlose Touren Welt schärften seine Sinne. Mit seinem dritten Album „All You Can Do“ steht der atemberaubende Rapper knapp vor den Durchbruch. Seine Texte haben nun auch eine perfekte musikalische Umsetzung und wer am 5. Oktober ins Foyer des WUK pilgert, kann sicher sein, dass er Watsky nie mehr in einem derart intimen Rahmen erleben wird können.

Wenn die reformierten Swans am 17. Oktober die Bühne der Wiener Arena betreten, dann steht eines schon im Vorfeld fest: Angenehme Unterhaltung findet an diesem Abend woanders statt. Bandchef Michael Gira hat die Swans nicht ins Leben gerufen, um das Leben zu erleichtern, sondern um Grenzen auszuloten. Grenzen der Lautstärke, Grenzen der Geduld bei sich endlos hinziehenden Songs und Grenzen was die Bearbeitung von Gitarren betrifft. Hauptforschungsgebiet ist und bleibt der Schmerz und den teilt Gira freigiebig auf vielen Ebenen mit seinem Publikum.

Das Electronic Beats Festival zieht auch heuer wieder durch die europäischen Großstädte und macht am 18. Oktober im Wiener Museumsquartier Station. Wer bei dem Titel an die Kalkbrenners dieser Welt und die dazugehörenden Rummsgewitter denkt, der liegt vollkommen falsch. Es geht um die Schnittstelle von Songs und Beats und ist blendend besetzt. Caribou, das Projekt des Kanadiers Daniel Victor Snaith erobert gerade mit „Can’t Do Without You“ die Hitparaden. Snaith arbeitet unter seinem Projektnamen schon fast 10 Jahre auf der Suche nach dem perfekten verträumten Popsong und ist jetzt zumindest kurz am Ziel angekommen. Mit Neugier erwartet wird der Auftritt der Durchstarter des Jahres London Grammar. Sängerin Hannah Reed ist die neue Alison Moyet und ihre Stimme steht natürlich im Mittelpunkt des zärtlichen Bandsounds, der wahre Höhepunkt sind aber die Songs, denn dass große Songs wie „Wastin My YoungYears“ zu Hits werden, ist selten in Zeiten wie diesen. Weiters treten noch Omar Souleyman, Jessy Lanza und Wolfram auf.

Im Linzer Posthof steht vom 6. – 8. November das Ahoi! Pop- Festival auf dem Programm. Es geht an drei Abenden um drei Zugänge zu Pop. Die Palma Violets, die neue Hoffnung aus Good Old Britain, geben dabei am Eröffnungstag ihr Österreichdebüt und werden beweisen, dass Sie auch ihre Clash-Platten aufmerksam gehört haben. Weiters mit dabei sind die New Yorker Phantogram und Merchandise. Am zweiten Abend treffen dann wunderbare Gegensätze aufeinander. Die Hidden Cameras werden die Meute bestens gelaunt zum Tanzen bringen , während die Texaner …And You Will Know Us By The Trail Of Dead die Lautstärke und ihre eher traditionelle Rockidee hochleben lassen. Zum Abschluss gibt es dann einen bestens besetzten Frauenabend mit dem HipHop von Fiva, den sanften Songs von Clara Lucia und einem der raren Auftritte in diesen Landen von St. Vincent, deren aktuelle Shows die Party definitiv auf ein neues Level heben.

Das ganz große Gefühlskino ist am 26. Oktober garantiert wenn John Legend die Wiener Stadthalle beehrt. Legend ist fast zu talentiert, er ist der Soulstilist der Jetztzeit, Songschreiber, Produzent und er kann natürlich mehrere Instrumente spielen. Mit der Ode an seine Frau „All Of Me“ ist ihm nach längerer Zeit wieder einmal ein Cross-over Hit gelungen, der das Zeug hat, ein Evergreen zu werden und Legend sicher noch viel Geld einspielen wird. Perfektionismus ist durchaus auch ein Prädikat mit dem er in Zusammenhang gebracht wird, und alles andere als eine perfekte Show wäre eine wirkliche Überraschung.

Eine große Sängerin verlässt wahrscheinlich mit dieser Tournee die Bühne, und sie verdient mehr als nur Anerkennung, sie verdient Liebe: Marianne Faithful lädt am 16. November im Wiener Konzerthaus zum Abschied. Ihr gerade erschienenes Album „Give My Love To London“ enthält u.a für sie geschriebene Songs von Nick Cave, Damon Albarn und Roger Waters und spätestens wenn „Lucy Jordan“ ausklingt, ist für diese großartige Interpretin eine Standing Ovation fällig.

Die Zeit vergeht rasend schnell und so feiert das Bluebird Festival heuer vom 20.–22. November im Porgy & Bess sein bereits zehnjähriges Jubiläum. Der wohl bekannteste Name im heurigen Programm ist sicher Joan As A Policewoman, die mit ihrem aktuellen Album „The Classic“, das erstaunlich viele gefakte siebziger Jahre Hits enthält, Triumphe feierte. Aber auch Poptausendsassa Patrick Wolf wird mit einem vermutlich ruhigen Set das Festival veredeln. Für englischen Folkpop werden Gravenhurst sorgen, aber Namen sind hier längst nicht mehr wichtig. Die Macher sind auch bereit, riskante Künstler zu buchen und so gibt es bei jeder Ausgabe des Bluebird mindestens zwei Talente zu entdecken, die vorher vollkommen unbekannt waren.

Atemberaubend ist auch das Album „So“ von Peter Gabriel, das im Mittelpunkt der „Back To Front“ Tour steht, die Gabriel am 23. November in die Grazer Stadthalle und am 24. November in die Salzburg Arena führt. „Sledgehammer“, „Red Rain“, „Don’t Give Up“ sind Klassiker der Moderne und Gabriel wäre nicht der Visionär, der er immer noch ist, wenn nicht die visuelle und akustische Umsetzung der Show in die Zukunft weisen und jeden Anfall von Nostalgie im Keim ersticken würden. Er mag ein paar Kilo zugelegt haben und einen kahlen Schädel haben, aber der Mann, der auch für „Biko“ und „Solsbury Hill“ verantwortlich ist, hat seine Relevanz nie verloren.

| FAQ 29 | | Text: Günther Bus Schweiger | Fotos: Press
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