DIE KUNST DES SCHEITERNS

Der britische Schauspieler Josh O’Connor spielt in Kelly Reichardts „The Mastermind“ einen spektakulär untauglichen Gemäldedieb

Dass es nur schief gehen kann, ist von vornherein klar: James mag geschickt genug sein, für seine Söhne unbemerkt kleine Spielzeug-Artefakte aus dem örtlichen Museum mitgehen zu lassen. Aber ein ausgefeilter Kunstdieb ist der erwerbslose Familienvater deshalb noch lange nicht. Was soll’s. Im Massachusetts der 1970er- Jahre gibt es für so lethargische, vom Kleinbürgerdasein unterforderte Typen wie ihn wenig Alternativen. Früher hat der Richter-Sohn an der Kunsthochschule studiert; geworden ist aus ihm ein Zimmermann, der sich zu schade fürs Handwerk fühlt.

Dafür will, nein: muss, James (Josh O’Connor) jetzt wenigstens den Heist durchziehen. Er hat es sich in den Kopf gesetzt. Zur Unterstützung weiht er ein paar zwielichtige Schmalspurganoven in sein riskantes Vorhaben ein. Den nötigen Vorschuss, um Flucht und Handlanger zu finanzieren, erschleicht er sich gekonnt von seiner gutmütigen Mutter Sarah (Hope Davis), während seine Frau Terri (Alana Haim) ihm unwissentlich die Baumwolltücher für den sicheren Transport der Gemälde näht.

Alles scheint zu laufen, bis am Morgen des geplanten Überfalls die Schule geschlossen bleibt und James seine beiden Jungs beschäftigen muss. Als dann auch noch einer seiner Komplizen kalte Füße bekommt, gerät die Sache ins Schleudern. Zwar gelingt es ihm vorerst, die vier geklauten Werke des amerikanischen Künstlers Arthur Dove sicher auf dem Land zu verstecken. Doch schon bald kommt ihm die Polizei auf die Schliche. James muss fliehen – und nimmt den Fernbus. Eilig hat er es nicht.

Kelly Reichardts ungewöhnliches Krimi-Drama nimmt entsprechend gemächlich an Fahrt auf. Je länger Josh O’Connors skurriler Dieb in The Mastermind ziel- und mittellos durchs Land driftet, desto lauter werden im Fernsehen die Berichte über den andauernden Vietnamkrieg. Die typisch unglamourösen Bilder der US-amerikanischen Drehbuchautorin und Regisseurin gehen dabei eine verschwörerische Symbiose mit dem schmuddelig-schlauen Charme des britischen Schauspielers ein. Beide verbindet ein feiner, elegischer Humor und unbedingter Eigensinn. Dazu gesellt sich Rob Mazureks ironisch-jazziger Score, der immer wieder für Spannung sorgt, wo sich in Wirklichkeit das einfache Leben abspielt.

Denn darin liegt Reichardts eigentliches Interesse – und ihre besondere Kunst: In ihren Filmen, so sperrig und unaufgeregt sie bisweilen daherkommen, offenbart sich stets eine große Sensibilität für gesellschaftliche Zwischentöne, menschliche Schwächen und politische Realitäten. In diesem Sinne wirkt auch James’ seltsames Verhalten von Anfang an weniger wie ein entschiedener Raubüberfall als vielmehr wie eine Verzweiflungstat, die einem inneren und äußeren Chaos
verschuldet ist.

 

THE MASTERMIND
Drama, Krimi – USA/UK, 2025
Regie: Kelly Reichardt; Kamera: Christopher Blauvelt; Musik: Geoff Maxwell; Schnitt: Kelly Reichardt
Mit: Josh O’Connor, Alana Haim, Hope Davis, John Magaro, Gaby Hoffmann, Bill Camp
Verleih: Stadtkino, 110 Min.
Kinostart: 31. Oktober 2025

 

| FAQ 82 | | Text: Pamela Jahn
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