FAQ – Music #53

Text: Günther Bus Schweiger | Fotos: Press
Calexico und Iron & Wine © Piper Ferguson

Alte Liebe rostet nicht, oder sie hält zumindest ein paar Streitereien oder ärgere Zerwürfnisse aus. The Black Keys waren einer der großen Headliner des Sommerfestivalzirkus, aber die Pause, die sie einlegten, nährte die Gerüchte über eine Auflösung des Duos. Dan Auerbach pflegte aus seinem Easy Eye Studio in Nashville seine Solokarriere und produzierte beinahe am laufenden Band herausragende Arbeiten von Yola über Sonny Smith bis zu den Pretenders. Was Dan Auerbach und Drummer Patrick Carney bewogen hat, wieder zusammenzuarbeiten ist nicht überliefert, aber schon die erste Single von „Let’s Rock“ (Nonesuch / Warner) mit dem simplen Titel „Lo Hi“ stürmte an die Spitze der Charts und ließ vermuten, dass die alte Magie wieder funkeln würde. Und da Auerbach und Carney keine halben Sachen machen, geht auch das ganze Album in eine Richtung – und die heißt vorwärts. Sie zelebrieren ihren Groove, wobei Auerbach seine Melodien meisterlich über die fast immer knappen archaischen Rocksongs legt und so eine Ahnung davon schafft,was lockerer, einfacher Rock ohne Metaebenen immer können wird: Menschen eine tolle Zeit bereiten.

The_Black_Keys_Lets_Rock.jpgThe Black Keyes, Let’s Rock (Nonesuch / Warner)

Die Zeit mit Chrissie Hynde hat Auerbach sicher auch genossen, denn das letzte Album ihrer Band The Pretenders stammt aus seinem Studio. Auf dem Anfang September erscheinenden Soloalbum Hyndes, „Valve Bone Woe“ (BMG), widmet sich die große, rotzige Stimme des Rock Liedern, die sie schon ein Leben lang begleitet haben. Da ist natürlich ein Song ihres Exmanns Ray Davies dabei, aber auch Klassiker von Hoagy Carmichael wie „I Get Along Without You Very Well“, der einst von Chet Baker und Frank Sinatra aufgenommen wurde. Dieser wunderbare Song findet in Hynde eine Interpretin, die ihn noch einmal vollkommen ausfüllt und der wie für sie geschrieben erscheint. Warum Brian Wilsons „Carolina No“ gegen Ende in Richtung Reggae gedeutet wird, ist zwar nicht ganz klar, aber diese Songs aus der Geschichte haben auf diese Stimme gewartet. Chrissie Hynde hat dem etwas abgelutschten Genre des Coveralbums mit Interpretationen im Jazzgewand neues Leben eingehaucht.

chrissie_hynde_valve_bone_woe.jpgChrissie Hynde, Valve Bone Woe (BMG)

Womit wir bei Bruce Springsteen wären. Der „Guardian“ bewertete unlängst alle seine Alben, und seine Veröffentlich-ungen aus diesem Jahrhundert waren dabei definitiv nicht auf den vorderen Plätzen zu finden. Der Sound der E-Street Band sorgte zwar in den letzten Jahrzehnten für immer ausverkaufte Stadien, aber die Songs, die sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben, sind alle mehr als 30 Jahre alt. Nachdem Springsteen seine Vergangenheit mit seiner Autobiografie und seinen Soloshows am Broadway noch einmal ausgiebig gemolken hatte, war es Zeit für eine Veränderung.Auf „Western Stars“ (Sony) widmet er sich zwar seinen Stammthemen, aber ohne den Breitbandsound seiner Band. Er leiht sich den countrypolitan Sound seiner Jugend aus, spaziert durch das Arrangementmuseum von Burt Bacharach und lässt seine Helden und Drifter durch diese neue Umgebung schreiten. Statt Autorennen in den Vorstädten New Yorks werden Pferde gejagt. Der Erzähler steigt vom Sattel des ewigen Kraftlackels herab und gibt den ruhigen Beobachter. Diese neue Rolle steht Springsteen gut, vielleicht schafft er es sogar noch, sein Personal aus den Mythen des Amerikas, das es so nie gab, zu befreien, und ihnen eine Perspektive in der Gegenwart zu geben.

Western_Stars.jpgBruce Springsteen, Western Stars (Sony)

Als Mythenjäger gehen auch Calexico und Iron & Vine durch. Die einen suchen sie in der Wüste von Arizona und den Grenzregionen zu Mexiko, der andere in den Hügeln von South Carolina. Sam Beam, die einzige Konstante von Iron & Wine und die beiden Vorsteher von Calexico John Convertino und Joey Burns haben schon vor 15 Jahren zusammengearbeitet und weil gerade Zeit war, wurde jetzt mit „Years To Burn“ (City Slang) ein ganzes Album eingespielt. Gelungene Kollaborationen sollten je von beiden Seiten mit Leben erfüllt werden, aber hier halten sich die Mannen von Calexico sehr zurück und begnügen sich meist mit der Rolle als Gastmusiker und überlassen Sam Beam das Feld, das dieser mit breiten Hippiesound ausfüllt. Dass die große Harmonie auch nach hinten losgehen kann, zeigt sich leider, je länger das Album dauert, denn hinter der Schönheit lauert doch zu oft die Langeweile.

Calexico_Ironand_Wine_YearsToBurn.jpgCalexico / Iron & Wine, Years To Burn (City Slang)

Dagegen treten Konea Ra massiv auf. Das klassische Synthiepopduo glaubt an die Disco und die Erlösung durch die Pet Shop Boys. Sie legen nach der schon vor ein paar Monaten erschienenen A-Seite nun mit der B-Seite nach und nennen ihr Vinylalbum auf dem hauseigenen Laben nun folgerichtig „AB“. Der Drumcomputer und die Basslinien jubilieren und dass sich neben Knallern wie „Supercharger“ mit „Laura“ noch eine Ballade ausgeht, auf der Sängerin Stephanie Zamagna schillern kann, freut den sommerlichen Gabentisch.

koneara_cover_b_side.jpgKonea Ra, B-Side (City Slang)

Ein Duo sind auch die Night Moves aus Minneapolis, einer Stadt mit vielen großen musikalischen Töchtern und Söhnen. John Pelant und Mickey Alfano eifern nicht so sehr Prince nach, sondern arbeiten in einem Genre, das in den USA eine sture und große Fangemeinde gefunden hat: der Indie Pop. Verwandte Bands wie Deerhunter haben schon ein beachtliches Publikum und die Night Moves sind am besten Weg dorthin. Auf ihrem dritten Album „Can You Really Find Me“ (Domino Records) liefern sie ein Meisterstück ab, ohne je ihr angestammtes Genre zu verlassen. Seltsame Keyboardklänge gehören da ebenso dazu wie ständiger Liebeskummer und eine klei-ne Verehrungsecke für Bands wie Badfinger oder den großen Übervater Paul McCartney mit seinem frühen Solowerk. Der würde sich zu dem einen oder anderen Song sicher zu seiner berühmten „Daumen-hoch-Pose“ überreden lassen.

Night_Moves_Can_You_Really_Find_Me.jpgNight Moves, Can You Really Find Me (Domino Records)
| | Text: Günther Bus Schweiger | Fotos: Press
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