„Es gab eine Zeit, in der viele Passanten und Neukunden davon ausgingen, Nachbarin sei eine Institution für Vintage-Kleidung. Die Stücke wären so schön gearbeitet, wie man sie heute kaum mehr findet“, erzählt Daniela Bittner-Nightingall, Inhaberin eben dieses Modegeschäfts in der Gumpendorfer Straße. Die Assoziation ist auch nicht so weit hergeholt, denn der Store ist zwischen der neuen und alten Dependance des Stores Lichterloh eingebettet, den man mit seinem umfassenden Möbelsortiment aus dem 20. Jahrhundert tatsächlich als Wiener Institution für vergangene Schönheit bezeichnen kann. Erst letzte Saison debütierte Nachbarin eben dort auf der improvisierten Bühne mit einer Theater- und Modeshow in acht Akten. Namhafte Darstellerinnen brachten ihre „message personnel“ zum Besten, so auch Daniela Bittner-Nightingall, die einiges zu erzählen hatte. Ursprünglich aus dem Buchhandel kommend, probierte sie sich nämlich schon früh als Drehbuchautorin und Cutterin. Mit ihrem Herzensprojekt Nachbarin tobt sich die Wienerin scheinbar in allen kreativen Disziplinen aus, sei es über ihre selbst inszenierten Fotostories, Kurzfilme oder eben Shows.

Ab März 2020 wird die Nachbarin eine weitere, überraschende Facette von sich präsentieren: Neben neuen Ausstellungsprojekten und Installationen sind dann die Kundinnen selbst eingeladen, ihre privaten Designerstücke in besonderem Rahmen zu präsentieren und auch zum Verkauf anzubieten. Das Motto dieses Projekts: Brücken bauen von Alt zu Neu, von Neu zu Alt – mit Stil und dem gewissen Appeal. Second Hand statt neu zu shoppen ist natürlich ganz im Sinne der Nachhaltigkeit, man will damit aber auch über ganz persönliche Geschichten die Beziehung zu den Kundinnen noch mehr vertiefen. Die sind dem französisch angehauchten Modeunternehmen nun bereits seit 15 Jahren treu. Kein Wunder, hier werden sie auch regelmäßig mit einzigartigen Stücken europäischer Designer versorgt. Unter den berühmten Labels sind viele, an die hierzulande gar nicht so leicht ranzukommen ist: Hussein Chalayan, Veronique Leroy oder Stella Jean befinden sich im Sortiment, aber auch österreichische Shooting Stars wie Jana Wieland und Arthur Arbesser. Letzterer macht übrigens zurzeit durch seine Kostüme für André Hellers Neuinszenierung der Operette „Rosenkavalier“ auch international auf sich aufmerksam. Man sieht: Mode und Theater, Kleidung und Inszenierung – das sind Disziplinen, die ein ganz besonders gutes, nachbarschaftliches Verhältnis pflegen.

