Seit eineinhalb Jahren hat man im MAK – Museum für angewandte Kunst intensiv an der Umgestaltung der Schausäle zum Themenfeld „Wien 1900“ gearbeitet; seit 25. Februar 2026 kann man die Neuaufstellung dieser permanenten Präsentation nun begutachten. Es ist eine Schau mit Strahlkraft, denn vom Wien an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert geht bis heute eine Faszination aus, die sich aus einer geballten kulturellen Vielfalt speist: Architektur, Design, Kunst und Literatur befruchteten einander und erlebten eine beispiellose, dabei seinerzeit nicht unumstrittene Hochblüte. Maler wie Gustav Klimt und Egon Schiele, Architekten wie Otto Wagner, Adolf Loos und Josef Hoffmann, Schriftsteller wie Karl Kraus und Arthur Schnitzler – um nur einige wenige zu nennen – sorgten mit ihren Werken ebenso für Kontroversen wie sie neue Impulse setzten.
Klassische Sehgewohnheiten wurden attackiert, tabuisierte Themen angesprochen. So lag es nahe, für das neue Schau-Konzept einen Künstler zu verpflichten, der ebenfalls in vielen Disziplinen glänzt: Das Werk des gebürtigen Salzburgers Markus Schinwald, Jahrgang 1973, umfasst Malerei, Fotografie, Skulptur, Grafik, Film, Installation und Theater. Dem MAK ist hoch anzurechnen, dass es immer wieder proaktiv die Zusammenarbeit mit hochkarätigen Designern und Kunstschaffenden sucht – in der Vergangenheit waren das unter anderem Helmut Lang oder Hito Steyerl. Markus Schinwald hat Österreich auf der 54. Biennale di Venezia (2011) vertreten, zudem waren ihm weltweit zahlreiche Einzelausstellungen gewidmet, etwa im SFMOMA (San Francisco), Kunsthaus Bregenz, Palais de Tokyo (Paris) oder dem Migros Museum (Zürich). Seine Arbeiten sind Teil internationaler Sammlungen, darunter jene von Tate Modern (London) und MoMA (New York).

Koloman Moser, Entwurf für eine Kassette. Wiener Werkstätte, vor 1908 © MAK

Josef Hoffmann, Abendkleid für eine Redoute, um 1910. Ausführung: Wiener Werkstätte. Seide und Baumwolle, Applikationsstickerei © MAK/Georg Mayer

Atelier Singer-Dicker (Franz Singer, Friedl Dicker), Armlehnsessel, 1927. Ausführung: unbekannt. Ahorn, massiv, natur und braun gebeizt; Buchenholz; Paneelplatte, rot gestrichen; Begurtung © MAK/Nathan Murrell
Gemeinsam mit den Sammlungsleiterinnen und -leitern des Museums für angewandte Kunst schuf Schinwald frische Anknüpfungspunkte an das Wien um 1900 und legte großen Wert auf einen Dialog von Vergangenheit und Gegenwart. Im MAK gilt Markus Schinwald als Künstler, der sich mit wechselnden Bedingungen von Geschichtsschreibung, Autorenschaft und Erinnerungskultur auseinandersetzt: „Sein Ansatz ist spekulativen historiografischen Methoden verpflichtet. Ob in der Malerei, in Bühnenarbeiten oder als Kurator – seine Arbeit zielt auf Erkenntnisbildung ab. Erkenntnis versteht Schinwald als ein Zusammenspiel von Wissen und Erfahrung.“
Die seit 2021 amtierende MAK-Generaldirektorin Lilli Hollein fasst es so zusammen: „Im Austausch mit dem wissenschaftlichen Team des MAK ist in den vergangenen eineinhalb Jahren eine außergewöhnliche Schausammlung entstanden. Aus einer Perspektive der Gegenwart werden wesentliche Fragen gestellt, Erlebnisse ermöglicht und Verknüpfungen hergestellt.“
Wie zeigt sich das in der Ausstellung? Über 700 Objekte geben in der neuen Sammlung zur Wiener Moderne einen Querschnitt durch diese Hochblüte der angewandten Kunst. Zu einer gewissen Authentizität trägt bei, dass das Haus auch historisch eng mit dieser Epoche verbunden ist: Das MAK wurde 1863 als k. k. Österreichisches Museum für Kunst und Industrie gegründet, die daraus entstandene Kunstgewerbeschule (heute Universität für angewandte Kunst Wien) pflegt seit 1900 auch ein Naheverhältnis mit der Secession. Hier wurden die Grundlagen gelegt, nicht nur für ästhetische revolutionäre Bewegungen wie die Wiener Werkstätte, den Deutschen und Österreichischen Werkbund und das Bauhaus; der Austausch zwischen Architektur, Malerei und angewandter Kunst in Wien stand dabei unter dem Leitthema des Gesamtkunstwerks …
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WIEN 1900
MAK Schausammlung
www.mak.at

